Wie mittlerweile bekannt sein dürfte, arbeiten Intel und Nokia an einer gemeinsamen Plattform für unterschiedlichste Geräte. MeeGo, so der Name der neuen Betriebssystems, soll vom Netbook über Smartphones bis hin zum Autoradio auf allem laufen, was einen Bildschirm und eine Verbindung zum Internet hat.
Da ich schon unglaublich gespannt auf das SenseUI vom HTC Hero aka. T-Mobile G2 Touch war, habe ich mich letzte Woche dazu entschlossen mein T-Mobile G1 endlich von den Fesseln zu befreien, mir Root-Access zu verschaffen und im Anschluss das Sense UI vom HTC Hero darauf zu installieren.
Android basiert auf Linux und ist ein sehr offenen System. Dadurch ist es möglich das zugrunde liegende Betriebssystem relativ leicht auszutauschen. Allerdings muss man dafür vollen Zugriff auf das Gerät haben (Root-Access), was bei einem normal gekauften Gerät in der Regel nicht erlaubt ist.
Aus gut nachvollziehbaren Gründen sehen es die Netzbetreiber nicht sehr gerne wenn man volle Kontrolle über die Geräte hat, deshalb versuchen sie solche Modifikationen zu unterbinden. Im aktuellsten Build (CRC1) von Android ist es deshalb nicht mehr ohne weiteres möglich Root auf seinem Gerät zu werden und man muss zuerst zwei Kniffe anwenden.
Wenn man die folgenden Schritte wirklich machen will, sollte man sich im klaren sein, dass man statt eines Telefons danach unter Umständen ein Stück Plastik ohne Funktion sein Eigen nennt. Also vorher nachdenken und evtl. die Finger davon lassen oder zumindest die folgenden Anleitungen ganz genau beachten. Macht mich auf jeden Fall nicht für Schäden verantwortlich!
Um auf dem Gerät andere als vom Netzbetreiber erlaubte Firmware einspielen zu können, muss zuerst eine Goldcard erstellt werden. Eine Goldcard ist eine Speicherkarte mit besonderen Berechtigungen. Keine Sorge wenn ihr damit nichts anfangen könnt, mir war das auch neu. Zum Glück gibt es aber Leute, die sich mit so etwas gerne herumschlagen und die Welt daran teilhaben lassen. So ist es den Leuten von QMAT zu verdanken, dass sie einen gratis Goldcard Generator ins Netz gestellt haben. (sie haben dafür früher Geld verlangt, also bei Gefallen einfach ein wenig spenden!)
Die genaue Anleitung wie man sich eine Goldcard erstellt, findet ihr auf Android-Hilfe.
Wenn das geschafft ist, kann man sich dem nächsten Schritt widmen.
Wie schon erwähnt ist es mit der aktuellen Firmware nicht mehr möglich Root-Access zu erlangen. Zum Glück war das im RC7 noch möglich, schlaue Leute haben das herausgefunden und wir können das jetzt ausnutzen. In der Regel ist man es nicht gewohnt ältere Versionen zu installieren. In diesem Fall ist es aber ein nötiger Umweg und wir nutzen das aus.
Die Anleitung wie man auf dem G1 Root wird, habe ich wieder von Android-Hilfe. Hier bitte den Goldcard-Teil überspringen, da wir das schon bei Schritt 1 gemacht haben. (vor ein paar Monaten war noch der Umweg über ein Windows CE-Gerät notwendig)
Wenn Teil 1 und Teil 2 abgeschlossen sind, solltet ihr volle Kontrolle über das G1 haben und jegliche Anwendungen installieren, jedes Update einspielen, das Android Handy mit der App “Wireless Tether” als Hotspot nutzen, …
Ich hab die ganze Prozedur auf mich genommen um das viel versprechende Sense UI auf mein G1 zu bekommen und mir selbst ein Bild davon machen zu können.
Leider ist es mit dem einspielen des Updates allein auch hier nicht getan und man muss vor dem Schritt noch die microSD-Karte partitionieren. Dies ist notwendig damit das Betriebssystem “Auslagerungsdateien” anlegen kann und nicht alles im Arbeitsspeicher liegt. (zumindest habe ich es so verstanden – irgendwelche Linux-Freaks mögen es mir verzeihen, dass mein Wissen dann nicht ganz so weit reicht)
Die Anleitung für diesen Schritt stellt The Unlockr bereit.
Wenn ihr alles richtig gemacht habt, könnt ihr jetzt die Benutzeroberfläche des HTC Hero und die stark verbesserte Experience genießen. Obwohl es aufgrund des geringeren Arbeitsspeichers nicht ganz so performant läuft, bin ich begeistert. Die Homescreen-Widgets sind unglaublich praktisch – allen voran das Mail-Widget und der Musik-Player – und das Look & Feel gefällt mir wirklich gut. Ich gehe sogar soweit zu sagen, dass es die beste User-Experience ist, die ich jemals auf einem Handy benutzt habe.
Neben der schwächeren Performance ist mir nur noch eines aufgefallen: bei einem der verwendeten Paketen hat sich das Layout der Hardware-Tastatur auf QWERTY geändert und die Belegung der Sonderzeichen. Ich weiß noch nicht genau was ich updaten muss, durch die sehr gute Onscreen-Tastatur nutze ich sie aber ohnehin seltener als vorher. Mal sehen ob ich noch was dazu finde.
Das T-Mobile G2 Touch gibt es übrigens seit heute auch bei T-Mobile in Österreich.
Heute begrüßte mich nach dem Aufstehen ein heiß ersehnter Hinweis auf dem Screen meines G1 – ein System Update sei verfügbar und wartet nur darauf installiert zu werden.
Nach dem Update viel sofort eine etwas schickere Benutzeroberfläche, die On-Screen Tastatur (bei einem Klick in das Suchfeld am Homescreen) und zwei neue Widgets (Musik und Kalender) für den Homesceen auf. Der Startbildschirm wird dadurch deutlich aufgewertet und man kann damit, was Symbian S60 Gerät schon lange können.
Das Kalender-Widget zeigt den nächsten Termin an. Beim Klick darauf öffnet sich der Kalender.
Etwas mehr Funktionen bringt das Musik Widget mit. Es zeigt den aktuell gespielten Song, man kann zum nächsten Titel in der Playlist springen und die Wiedergabe pausieren. Der Musik-Player wurde übrigens optisch auch etwas überarbeitet, mehr Funktionen sind mir aber nicht aufgefallen. Leider interagiert das Widget nur mit den Standard-Player und kann nicht auch den droidPlayer steuern oder den dort gespielten Titel anzeigen. Allerdings hab ich keine Ahnung ob das überhaupt möglich ist und das Widget von anderen Playern angesprochen werden kann.
Dank dieser Widgets hat es der Standard-Startbildschirm wieder geschafft, dass ich darüber nachdenke ihn wieder als Standard auf meinem Gerät zu verwenden. Davor habe ich eigentlich nur noch aHome genutzt, dieser kann mit den beiden Widgets leider (noch) nichts anfangen. Zumindest in der Lite-Version.
Die On-Screen Tastatur ist zwar eher klein aber trotzdem brauchbar. Die virtuelle Tastatur auf meinem iPod Touch finde ich besser, zum Eingeben einer kurzen SMS oder Suchquery reicht sie aber absolut aus. Umlaute bekommt man durch halten des jeweiligen Buchstabens, wie vom iPhone bekannt. Der echten Tastatur kann sie aber kaum das Wasser reichen, man erspart sich aber in vielen Situationen das Aufschieben der Tastatur und den Wechsel in den Landscape-Modus. Sehr praktisch!
Wenn man nach dem Update den Market das erste Mal öffnet, muss man den Nutzungbedingungen erneut zustimmen. Da ich – wie wohl die meisten – diese nie durchlese, kann ich nicht sagen ob sich etwas geändert hat. Auf jeden Fall muss sich für Cupcake einiges bei den Applikationen geändert haben. Für mehr als die Hälfte meiner Applikationen waren plötzlich Updates verfügbar oder es mussten andere Versionen geladen werden und das obwohl ich meine Applikationen gerade gestern alle aktualisiert habe.
Leider ist diesem Update des Markets wohl auch die Applikation “YouTube Downloader” zum Opfer gefallen, die Applikation lies sich mit dem Hinweis, dass die Anwendung aus dem Markt entfernt wurde nicht aktualisieren. Wie ich bereits beschrieben habe, kann man die Anwendung auch so noch ganz einfach installieren.
Sehr notwendig war auch die Möglichkeit mit dem G1 Videos aufnehmen zu können. Dies ist jetzt möglich und man kann entweder über ein eigenes “Camcorder”-Icon den Video-Modus starten oder wie gewohnt die Kamera öffnen und über das Menü den Modus wechseln.
Die aufgenommenen Videos können im Anschluss (natürlich auch später) ganz einfach und komfortabel zu YouTube hochgeladen werden. (quasi der YouTube Downloader in die andere Richtung, damit nicht nur gestohlen sondern auch produziert wird)
Beispielvideo:
Diese Integration ist wirklich sehr gut gelungen und gut gelöst. Man darf in Zukunft also “gespannt” auf unzählige mobile YouTube-Video sein.
Überhaupt scheinen die Google Dienste jetzt besser integriert zu werden, da auch ein direkter Upload von Bildern zu Picassa möglich ist.
Obwohl ich keine T-Mobile SIM in meinem G1 stecken habe, ist das Update problemlos über WLAN auf mein Gerät gekommen. Laut T-Mobile Information sollte man das Gerät einfach etwas länger in einem WLAN eingebucht haben. Ob die Synchronisation dafür aktiviert sein muss, kann ich leider nicht sagen. Ich hatte sie aktiviert. Wie Barbara habe ich mein G1 ungelockt um das Gerät mit meiner 3-SIM nutzen zu können. Einen Datentarif sollte man unbedingt haben!
Wie man das Update manuell durchführen kann, hat Erich beschrieben.
Wie heute bekannt geworden ist, haben sich Nokia, Sony Ericsson, Motorola, NTT DoCoMo und einige weitere Branchengrößen zur Symbian Foundation zusammengetan um gemeinsam eine Plattform für mobile Software zu entwickeln bzw. die Betriebssysteme S60, UIQ und MOAP gemeinsam weiterzuentwickeln. Darüber hinaus soll das Ganze innerhalb von 2 Jahren unter Eclipse Public License 1.0 veröffentlicht und somit Open Source werden.
Ich werte diesen Schritt als eine Maßnahme um langfristig stabil gegen die diversen Linux mobile Betriebsysteme android, openMoko und LiMo, Apple mit dem iPhone und Windows Mobile Bestand zu haben.
Ich hoffe, dass sich dadurch der Wildwuchs der Handy-OS bald erledigt und Unternehmen und Entwickler bald auf einheitliche Standards und Entwicklungsumgebungen aufbauen können. Ich sehe dies als wichtigen Schritt um die mobile Technologie auf die nächste Evolutionsstufe bringen zu können und die neuen Möglichkeiten der breiten Maße mit akzeptablem Aufwand zugänglich zu machen.
zur Presseerklärung (auf Englisch)
Via futurezone