Nokia ist in meinen Augen der Hersteller, der die besten Handys baut – zumindest was die Hardware betrifft. Bei der Software bzw. dem App Store (bei Nokia “Ovi Store” genannt) hakt es aber noch ordentlich. Da muss Nokia noch einiges tun, um mit Apple oder Android mithalten zu können.
Das neueste Nokia Flaggschiff N97 begleitete mich jetzt 1 1/2 Wochen durch den Alltag. Ich habe mir sowohl beim Donauinselfest, als auch bei diversen beruflichen Veranstaltungen und beim Sport einen ganz guten Eindruck über das Gerät verschaffen können.
Wie ich eigentlich erwartet habe, überzeugt die Hardware. Das Handy liegt gut in der Hand, der Schiebemechanismus fühlt sich verdammt gut an, die Tastatur hat einen angenehmen Druckpunkt und eignet sich auch für etwas längere Emails oder Chats.
Bei den meisten Test wurde die Akku-Abdeckung als zu billig bewertet. Diesen Eindruck teile ich nicht. Es handelt sich zwar um dünnes Plastik, die Abdeckung hält aber bombenfest und zerkratzt sicher nicht so schnell wie so manche Hochglanzoberfläche.
32 GB Speicher sollten eigentlich genügen, dennoch kann man ihn mit MicroSD Karten noch um weitere 16 GB erweitern. Der Standard Klinken-Stecker für Kopfhörer und ein zukunftssicherer Mini-USB Anschluss zum Laden (wird ab 2010 Standardanschluss für alle Handy Ladegeräte in der EU) und Datenaustausch fallen sofort positiv auf. WLAN, HSDPA, GPS, usw. sind natürlich auch verbaut. Hier fehlt maximal der Kompass für etwaige AR- (Augmented Reality) Anwendungen. (siehe Wikitude)
Ein weiteres Highlight ist die Kamera. Mit 5 MP und einem LED-Blitz kann man mit ihr sehr gute Bilder schießen und die Digitalkamera daheim lassen. Außerdem bietet die Kamera zahlreiche Einstellmöglichkeiten, um besondere Effekte oder bessere Bilder zu erzielen.
Bei der Hardware habe ich nur einen Kritikpunkt: Die Leertaste der Tastatur ist etwas deplatziert, die würde ich in der Mitte suchen. Eine eigene Reihe für die Zahlen wäre ebenso hilfreich, das ist sich aber wohl aus Platzgründen nicht mehr ausgegangen. Das ist wohl auch der Grund, warum die Sonderzeichen etwas ungewohnt platziert sind. Wer würde das Ä schon auf der L-Taste suchen! Damit wird man aber nach kurzer Zeit zurecht kommen und sich darüber freuen, dass man eine echte Tastatur zur Verfügung hat.
Gleich nach der Inbetriebnahme des Handys sticht einem der Homescreen ins Auge. Diesen kann man mit Widgets an seine Vorlieben und seinen Bedarf anpassen. Mit diesen kleinen Helferlein sind alle relevanten Informationen auf einen Blick sichtbar und wichtige Funktionen sofort erreichbar. Nokia hat auch bereits einen eigene Widget Competition ausgeschrieben. Damit sollen wohl Entwickler dazu zu motivieren werden, weitere Widgets zu erstellen. Vorinstalliert sind unter anderem Widgets für Facebook, Wetter, Musik-Player, Kontakte, Programme, Kalender, …
Von Symbian mag man halten was man will. Ich bin damit immer gut zurecht gekommen und war immer ein Freund davon.
Die 5. Version von Symbian (wo ist eigentlich v4 geblieben?) folgt dem Rad der Zeit und kann durchgängig mit den Fingern bedient werden. Man merkt allerdings, dass Symbian nicht von Anfang an für die Touch Bedienung entwickelt wurde, sondern ein vorhandenes System angepasst wurde.
Der Touchscreen reagiert gut und man wird mit haptischem Feedback (leichtes Vibrieren) belohnt. Das Scrollen funktioniert nicht wie bei anderen System mit einem leichten Wischen. Was man bei Symbian macht, erinnert eher an virtuelles Seilziehen, denn an ein Streicheln. In manchen Programmen (Tweet60) muss man überhaupt mit einer schmalen Scrollbar zufrieden sein. Von Durchgängigkeit und Ausgereiftheit kann man hier leider noch nicht sprechen.
Sehr sinnvoll, wenn auch am Anfang etwas ungewohnt, fand ich die On-Screen Tastatur im geschlossenen Zustand. Hier wird nämlich nicht wie erwartet eine vollständige Tastatur angezeigt, sondern eine Nummerntastatur mit Eingabeunterstützung. Dadurch kann man das Gerät aber auch sehr gut mit einer Hand und dickeren Fingern bedienen. In den Kontakten werden nur noch Buchstaben angezeigt, mit denen es auch weitere Treffer gibt. Hier hat Nokia sehr gut mitgedacht.
Die Synchronisierung mit Outlook funktioniert mithilfe der PC-Suite (jetzt OVI Suite) perfekt. Der Email-Abruf läuft dank Nokia Messaging auch sehr gut. Wenn man will, bekommt man die Mails sogar gepusht und kann auch Zeiträume für den Push einstellen. Sehr praktisch, wenn man ab 18 Uhr nicht mehr ständig mit einer Email Benachrichtigung aufgeschreckt werden möchte. Mail for Exchange konnte ich mangels Exchange Server nicht testen, soll aber sehr gut integriert sein.
Der Ovi Store kann leider überhaupt nicht mit dem App Store von Apple oder dem Android Market mithalten. Was hier geboten wird, ist maximal eine Schranktür und kein Tor zur Welt (“Ovi” steht im finnischen ja für “Tür”).
Der Store wirkt auf mich unaufgeräumt und bietet kaum Programme. In meinen Augen müsste Nokia eine riesen Armada an Entwicklern mobilisieren können. Nokia bzw. Symbian und J2ME waren ja schon vor dem iPhone beliebte und viel verwendete Plattformen für Software-Herstellter. Muss man hier wahrscheinlich noch Geduld haben und auf Portierungen für S60v5 warten oder ist der Store einfach so unstrukturiert, dass man die Anwendungen einfach nicht findet?
Unterboten wird der Store maximal noch durch das Nokia eigene “Download!”, was zu einer Klingelton und Wallpaper-Falle von Jamba verkommen ist. Keine Ahnung, was sich Nokia dabei gedacht hat. Wozu zwei “Stores” auf einem Handy und einer davon verbunden mit einem Anbieter, der nicht gerade den besten Ruf genießt?
Wie Eingangs erwähnt, punktet das Nokia N97 vor allem bei der Hardware. Das Gerät wirkt sehr angenehm auf mich, liegt gut in der Hand und fühlt sich sehr wertig an.
Bei Symbian merkt man, dass es ursprünglich nicht für die Touch-Bedienung geschaffen wurde. Hier darf man wohl auf den ersten Wurf der Symbian Foundation gespannt sein. Der Store ist in meinen Augen noch nicht ausgereift. Nokia muss zusehen, einen echten Konkurrenten für Apple und Android zu schaffen. Ein vernünftiger App Store ist in meinen Augen bei Smartphones mittlerweile ein echtes Kaufkriterium. Davon ist Nokia mit dem Ovi Store noch ein Stückchen entfernt, hat aber zumindest schon eine Basis geschaffen.
Als Telefon überzeugt das Gerät aber dennoch. Die Sprach- und Verbindungsqualität ist um einiges besser als beim iPhone oder beim G1. Die Bedienung mit einer Hand im geschlossenen Zustand hat mir auch sehr gut gefallen. Die Kamera ist ein echter Ersatz für eine Einsteigerkamera und schießt auch bei nicht optimalem Licht noch anständige Bilder. Die Akkulaufzeit ist jetzt nicht überragend, aber im Vergleich zu anderen Feature-Phones sehr gut. 1-2 Tage sollte man auch bei aktiviertem Push-Mail und den always-on Homescreen schon über die Runden kommen.
Für mich ist die teilweise schlechte Presse dieses Gerätes vor allem auf die Zielgruppe zurückzuführen. Das Nokia N97 ist in meinen Augen ein Handy für Leute, die ein Handy zum Telefonieren und zum Arbeiten brauchen. Dafür ist es perfekt geeignet. Für Blogger, Leute die viel mit ihrem Gerät im Web unterwegs sind und Leute die ein Statussymbol haben wollen, ist es dagegen nur bedingt geeignet. Dieses Leute sollten lieber zum allseits bekannten Gerät greifen und damit glücklich werden.
Von Nokia Österreich habe ich heute zusätzlich zum iPhone und G1 von mobileblogger.at auch noch ein Nokia N97 zum Testen zur Verfügung gestellt bekommen.
Für mich wird das eine interessante Zeit werden, prallen doch hier drei Flaggschiffe mit völlig unterschiedlichem Background und auch unterschiedlichen Zielgruppen aufeinander.
Das iPhone ist ohne Zweifel das schickste und stylishste Gerät aus diesem Trio.
Es überzeugt vor allem durch ein gute und durchgängige Touch-Bedienung, der starken Multimedia Ausrichtung und natürlich dem App Store.
Falls ich mich für dieses Gerät entscheiden würde, dann wegen dem App Store. Man wird in absehbarer Zeit in keinem anderen Store so viele und so unterschiedliche Anwendungen finden wie hier. Ein Ende des Booms ist nicht absehbar und kaum eine Marke oder Software-Bude kann es sich leisten, das iPhone zu ignorieren.
Zielgruppe: Früher waren es vor allem Bobos (Grafiker, Künstler, Architekten, Musiker, u.ä.), mittlerweile werden schon Kinder auf dem Schulweg wegen iPhones überfallen oder Möbelpacker damit gesichtet. (Ich habe tiefen und ehrlichen Respekt vor Leuten, die noch ehrliche Berufe ausüben und habe selbst Tischler gelernt. Nur damit mir keiner unterstellt, ich würde diese Leute nicht respektieren und abfällige Bemerkungen über sie tätigen. Sie zählen nur nicht unbedingt zum typischen Apple Klientel.)
Das G1 ist für mich am schwierigsten in eine Schublade einzuordnen. Es ist weder so stylish und multimedial wie das iPhone, noch so ausgereift wie ein Blackberry oder ein anderes Handy.
Was dieses Gerät wirklich gut kann, ist offen sein. Offen in Hinblick auf die Anwendungen die man installieren möchte, offen in Bezug auf die Anwendung die man verwenden möchte und offen für Entwicklungen. Dies Gerät ist etwas für Leute, die wissen was sie von einem Handy wollen und dafür auch bereit sind, Updates zu installieren und teilweise noch Ecken und Kanten im System zu akzeptieren. Da Android bzw. die Open Handset Alliance von Google ins Leben gerufen wurde, sind die verschiedenen Google-Dienste natürlich gut ins System integriert.
Was ich am G1 großartig finde, ist die Kontrolle über das Gerät. Vom Startbildschirm über die SMS-Anwendung kann man jede Standardanwendung austauschen und so wirklich auf seine Bedürfnisse und Vorlieben ausrichten.
Zielgruppe: Freaks, Programmierer und Erwartungsvolle
Das Nokia N97 ist nach einer kurzen Betrachtung für mich das sympatischste Gerät. Es überzeugt durch einen Homescreen, auf dem man die wichtigsten Informationen gesammelt hat und durch eine Funktionsvielfalt, die zeigt, dass hier ein Hersteller am Werk ist, der viel Erfahrung hat. Die Finnen bauen seit Jahren Handys und auch wenn sie im Top-Segment in letzter Zeit etwas in Rückstand gekommen sind, so sollten sie doch über das Know-How verfügen, auch hier wieder Land zu gewinnen. Mit dem N97 sind sie auf dem besten Weg dahin.
Dieses Gerät funktioniert einfach. Mit Symbian habe ich begonnen, mobile Dienste intensiv zu nutzen, dadurch war ich mit diesem Gerät auch sofort vertraut, fühle mich damit auch sofort wohl und nehme den Nokia-Funktionsumfang immer als Maßstab. Ich bin halt auch ein Gewohnheitsmensch.
Zielgruppe: Leute die einen zuverlässigen Partner wollen, mit Nokia zufrieden sind und nicht unbedingt dem folgen, der gerade am lautesten schreit.
Was macht ein Marktführer wenn ein Nobody den Markt von hinten aufrollt und eine neue Gerätegeneration aus der Traufe holt?
Er macht mal zwei Jahre nichts und überlässt dem Eindringling den Markt, wäre zumindest mal nicht meine erste Vermutung und ganz so ist es auch nicht gewesen. Trotzdem hat Nokia kaum auf das iPhone und die Touch-Bedienung reagiert. Das Nokia 5800 XpressMusic (Tube) ist ja auch erst in manchen Ländern zu kaufen und als Flaggschiff geht es auch noch nicht durch.
Auf der Nokia World 2008 wurde heute, spät aber doch, eine passende Antwort auf das iPhone präsentiert – das Nokia N97

Neben einer unglaublichen Feature Menge:
zeigt Nokia vor allem mit einer Vielzahl an intelligenten Diensten:
wie ein Mobiltelefon im Jahre 2009 aussehen, vernetzt und funktionieren muss.
Gemeinsam mit der Öffnung von S60 durch die Symbian Foundation ergibt sich für mich ein gutes Gegengewicht zur totalen Kontrolle von Apple und dem Datenhunger von Google (Android)
Hier das Präsentations-Video:
und hier das Gerät im Einsatz: