Bei der Präsentation der Nokia Studie zur Nutzung von mobilen Internet und mobilen Applikationen konnte ich es mir nicht verkneifen, die Qualität einiger Applikationen zu kritisieren.
Wie regelmäßige Leser dieses Blogs wissen, bin ich kein uneingeschränkter Befürworter des derzeitigen App-Hypes. Das liegt aber auf keinem Fall daran, dass ich mobile Applikationen an sich schlecht finde. Sondern daran, dass meiner Meinung nach viele der verfügbaren Applikationen leider schlicht und einfach Schrott sind und/oder keinen Mehrwert gegenüber einer mobilen Webversion bieten.
Um nicht nur zu kritisieren, sondern auch konstruktiv zu sein, versuche ich hiermit einige Merkmale einer guten mobilen App zu identifizieren:
Wenn eine Anwendung auf Funktionen des Gerätes zugreift, die mit dem Browser nicht genutzt werden können, führt gar kein Weg an einer solchen nativen App vorbei. Dazu zählen:
Beispiele dafür sind:
Wenn eine Anwendung ein besonders hochwertiges User Interface (UI) bietet, muss ebenfalls Hardware-nahe entwickelt werden.
Beispiele dafür sind:
Werden größere Mengen an Daten für die spätere Offline-Nutzung oder um eine bessere Performance zu erzielen gespeichert, ist eine App auch zu bevorzugen.
Wenn eine Applikation im Hintergrund läuft oder beispielsweise die Push-Notification von Apple nutzt, um Updates (Social Networks, News, Email, …), Ereignisse (Termine, Location, …), Prozesse (Task Manager) oder Ähnliches zu überwachen, kann ebenfalls nicht auf eine native Applikation verzichtet werden.
Beispiele dafür sind:
Natürlich glaubt jede Marke und jeder Entwickler, seine Anwendung wird das nächste Facebook und wird ständig genutzt. Dazu kann ich nur eines sagen: “Dem ist nicht so!”
Für Anwendungen wie Facebook, Twitter & Co. erwarte ich mir auf jeder Plattform eine entsprechende App. Diese Dienste werden zumindest einmal täglich genutzt und sollten deshalb leicht aufrufbar sein und schnell laden.
Beispiele dafür sind:
Grundsätzlich wird die Qualität der mobilen Applikationen immer besser und die Konkurrenz in den großen Stores tut ihr übriges. Anhand des Android Market konnte man sehr gut die Steigerung der Qualität beobachten: Vor einem Jahr waren dort noch hauptsächlich “Proof of concept”-Applikationen zu finden. Mittlerweile haben die Anwendungen in diesem Markt bereits eine sehr gute Qualität.
Trotzdem sind in jedem Store noch Negativbeispiele zu finden. Ein paar Beispiele möchte ich hier nennen und kurz begründen:
Vorweg muss ich sagen, dass ich ein absoluter Fan dieses Shops bin. Ansonsten wäre ich auf diese App wahrscheinlich auch gar nicht aufmerksam geworden und hätte mir ein anderes Opfer gesucht.
Begründung: Bis auf die Merkliste könnte diese App recht einfach (und sicher kostengünstiger) 1:1 mit einer mobilen Webseite realisiert werden. Zusätzlich könnte man mit der mobilen Website auch zusätzlich noch Android Geräte und mit ein wenig mehr Anpassung jedes andere moderne Handy bedienen. Wenn man das Ganze in eine WebView packt, hat man sogar noch eine App im App Store, wenn man HTML5 einsetzt, kann sogar die Merkliste realisiert werden.
Die beiden Anwendungen waren der konkrete Auslöser für meine Kritik beim E-Day und diesen Beitrag. Die Motivation der Entwickler diese Anwendungen zu machen, möchte ich hier gar nicht kritisieren. Auslöser für meine Kritik war die Tatsache, dass weder ein vollständiger Feed zur Verfügung gestellt wird und man dadurch nur die Einleitung lesen kann. Für den vollständigen Artikel wird man auf die Webseite weitergeleitet. In meinen Augen ist das für den Benutzer frustrierend und macht die Applikation nutzlos.
Mit HTML5 werden die Argumente für native Apps noch weniger werden, da darin schon Funktionen wie Datenspeicherung, Video oder Geolocation integriert sind. In einer Studie von ABI Research wird davon ausgegangen, dass der App-Hype noch bis 2013 anhält und dann Web-Apps stärker genutzt werden.
Generell ist zu sagen, dass sich die Qualität der Apps auf den einzelnen Plattformen recht schnell selbst reguliert. Schlechte Applikationen werden einfach weniger herunter geladen bzw. gleich wieder deinstalliert und sterben einen stillen Tod. Umso wichtiger ist es für Entwickler und Unternehmen auch geworden, die eigene Anwendung auch wirklich “schön” zu machen und mit einem Mehrwert zu versehen.
Wie ich schon des öfteren angemerkt und im Artikel über Walled Gardens auch veröffentlicht habe, bin ich der Meinung, dass nicht für jeden Anwendungsfall eine mobile Applikation sinnvoll ist. Vor kurzem hat Vic Gundotra, Google Engineering Vizepräsident, bei einer Konferenz angemerkt, dass die Zukunft in Web-Apps zu suchen ist.
Das dieser Kommentar nicht an den Haaren herbeigezogen ist, beweist Google mit Google Latitude für das iPhone recht anschaulich. Der Dienst zeigt gut, wie weit man mittlerweile Telefonfunktionen innerhalb des Browsers nutzen kann und wie komfortabel sie auch zu bedienen sind. Bei Latitude, einem Dienst bei dem man seinen Freunden bekannt geben kann wo man sich gerade aufhält, wird von der Webapplikation auf den gegenwärtigen Standort (Zellinformation, WLAN-Positionierung oder GPS) zurückgegriffen.
Das ist nur möglich, weil der Browser (Safari) ab iPhone OS 3.0 auf die Positionsbestimmungsmethoden des Gerätes zugreifen kann und das an die Webapplikation weiterreicht. Firefox 3.5 bringt diese Möglichkeit auch auf den Desktop-PC bzw. Notebook und zeigt in meinen Augen ganz gut, wie die Zukunft der Browser aussehen wird. Auf mobilen Browsern macht die Position in meinen Augen noch mehr Sinn – das werden die verschiedenen Hersteller wohl über kurz oder lang auch so sehen.
Für die Entwickler von mobilen Diensten würde das eine deutliche Erleichterung und Kostenersparnis bringen, da nicht mehr für iPhone, Android, S60, Maemo, Java, Windows Mobile, usw. entwickelt werden müsste, sondern “nur” noch die Stylesheets und Skripte für den Zugriff auf diese Funktionen angepasst werden müssten. Ganz nebenbei würde man sich noch die “wird meine App zugelassen”-Angst ersparen und sie auch leichter updaten können, ohne die User gleich mit Updates bombardieren zu müssen.
Ich bin überzeugt, dass Browser in Zukunft auf weitere Kernfunktionen des Gerätes zurückgreifen werden und sich dann viele Dienste überlegen, noch eigene Applikationen zu entwickeln. Welchen Nutzen hat “TIME.com” wirklich, wenn sie als x-te Zeitung eine eigene iPhone-Applikation im App Store zur Verfügung stellt? Erreichen sie mit einer wirklich guten mobilen Version die zahlreichen Blackberrys, Nokias, etc. und natürlich die iPhones nicht genauso gut? Wahrscheinlich liegt es einfach daran, dass es mittlerweile zum guten Ton gehört, auch eine iPhone App zu haben.
Wenn es darum geht die Nutzung von mobilem Internet, wobei hier der Zugang mit dem Handy gemeint ist, in Zahlen zu packen, dann gibt es jede Menge Studien und Umfragen und jede kommt zu einem anderen Ergebnis.
Auf dem von mir oft erwähnten Blog Mobile-Zeitgeist lief vor kurzem eine Umfrage unter den Besuchern, wann sie den Durchbruch des Mobile Webs sehen. Die Frage hat Experten angesprochen, die klare Zielgruppe des Blog. Darum ist das Ergebnis auch sehr interessant und als Einschätzung von Experten sehr wertvoll.
Eine etwas andere Kommunikation hat der Blog deutsche-startups.de gewählt. Hier wurde eine On-site Umfrage als repräsentativ für die Internet-Gesamtnutzerschaft bezeichnet und sogar von Tecchannel aufgegriffen. Ich weiß wie schwer es ist an aussagekräftige Zahlen zu kommen bzw. wie teuer sie zu bekommen sind. Die Umfrage für sich ist auch sehr spannend und interessant, allerdings sehe ich die Besucher eines Startup-Blogs nicht als repräsentativ an.
Dennoch bietet vor allem die Auswertung der genutzten Anwendungen einen interessanten Einblick in das Nutzungsverhalten. Ich denke, diese Anwendungen würden auch bei einer repräsentativeren Umfrage nicht viel anders aussehen und bieten daher einen guten Anhaltspunkt für die Relevanz gewisser Anwendungen.
Nachtrag: Die Umfrage wurde nicht nur On-Site gemacht, sondern auch in Zusammenarbeit mit meinungsplatz.de. Wie repräsentativ dies ist, sollte jeder selbst für sich entscheiden.
Ich finde derartige Umfragen immer wieder sehr wichtig und gut, allerdings sollte man sich nicht allzu sehr darauf verlassen.
Das W3C Konsortium hat vor kurzem Guidelines für das mobile Web (EN) herausgebracht und auch noch recht nette und übersichtliche Flip Cards dazu gepackt!
Wie von einem Standardisierungskomitee auch nicht anders zu erwarten, bieten die Guidelines und Empfehlungen einen guten Anhaltspunkt um seine Webseiten auch mobil nutzbar zu machen. Vor allem die Empfehlung für die Tests
Führen Sie Tests sowohl am eigentlichen Gerät als auch an Emulatoren durch.
kann ich aus meiner Erfahrung nur unterstreichen, wobei ich Tests mit Emulatoren nur bedingt als Alternative sehe.
Die Flip Cards kann man sehr gut als Checkliste und Quick-Check seiner Vorhaben verwenden!
Bereits vor einer Weile hat Google speziell für mobile Geräte angepasste Werbebanner in sein Werbeprogramm Ad-Words aufgenommen und das Angebot für mobile Geräte erweitert.

Die Banner sehen gleich wie von Desktop Browsern bekannte Werbemittel aus, sind aber von speziell für die kleinen Displays mobiler Geräte Größe. Für Werber bietet diese Werbeform eine gute Erweiterung ihrer Möglichkeiten, da diese Form der Werbung gute Clickraten bringen und bei der mobilen Nutzung weniger Banner angezeigt werden und dadurch der Fokus auf einen einzelnen Banner höher ist. Für Webseitenbetreiber bietet sich dadurch die Möglichkeit von der steigenden mobilen Nutzung des Internet zu profitieren.
Via: Google mobile