Was macht ein Marktführer wenn ein Nobody den Markt von hinten aufrollt und eine neue Gerätegeneration aus der Traufe holt?
Er macht mal zwei Jahre nichts und überlässt dem Eindringling den Markt, wäre zumindest mal nicht meine erste Vermutung und ganz so ist es auch nicht gewesen. Trotzdem hat Nokia kaum auf das iPhone und die Touch-Bedienung reagiert. Das Nokia 5800 XpressMusic (Tube) ist ja auch erst in manchen Ländern zu kaufen und als Flaggschiff geht es auch noch nicht durch.
Auf der Nokia World 2008 wurde heute, spät aber doch, eine passende Antwort auf das iPhone präsentiert – das Nokia N97

Neben einer unglaublichen Feature Menge:
zeigt Nokia vor allem mit einer Vielzahl an intelligenten Diensten:
wie ein Mobiltelefon im Jahre 2009 aussehen, vernetzt und funktionieren muss.
Gemeinsam mit der Öffnung von S60 durch die Symbian Foundation ergibt sich für mich ein gutes Gegengewicht zur totalen Kontrolle von Apple und dem Datenhunger von Google (Android)
Hier das Präsentations-Video:
und hier das Gerät im Einsatz:
Viele in der mobilen Welt sehen das Ende der Walled Gardens (engl.) herannahen. T-Mobile, Vodafone, Orange & Co haben seit dem Beginn mobiler Datendienste die Kunden in ihrer Welt gehalten und versucht sie so zu binden. Netzinterne SMS und MMS sind nach wie vor teilweise günstiger, das WAP bzw. Web-Portal ist ebenfalls frei oder günstiger und vor allem vorkonfiguriert. Datenpakete teilweise auf HTTP-Trafik limitiert, natürlich nur im Kleingedruckten. Die meisten Betreiber sehen jedoch ihre Gewinne mit reiner Telefonie dahinschwinden, bei steigenden Umsätzen und sehen daher ihre Zukunft in den mobilen Datendiensten. Dies führt dazu das sie ihre Walled Gardens schön langsam öffnen und sich der Markt mobiler Anwendungen zu entwickeln beginnt. Von einem Massenmarkt sind wir, auch wenn wir mobilen Jünger das oft anders sehen, noch meilenweit entfernt.
Auch wenn die Fesseln der Mobilfunker noch nicht gesprengt sind, werden schon neue geschmiedet. Nur sind es dieses mal nicht die Betreiber sondern die Gerätehersteller. Ausgehend von Apple entwickeln sich derzeit neue Walled Gardens. RIM (Blackberry) arbeitet laut Crunchgear (engl.) an einem BlackBerry Application Center. Googles Android wird einen Android Market (engl.) mitbringen. Am weitesten geht allerdings Nokia und versucht Apple mit den eigenen Waffen zu schlagen. Mit “Comes with Music” will Nokia seine Kunden nicht über Software sondern mit Musik an sich binden. Das “Musik-Abo” kommt mit dem Gerät und wird mit einem neuen Gerät verlängert. Mit “Laden!” gibt es von Nokia für S60-Geräte schon seit längerem einen de facto App Store, hat nur nicht funktioniert.
Apple fesselt bindet seine iPod/iPhone-User sowohl über die Kombination iTunes und dort sortierte Inhalte, als auch über Anwendungen aus dem App Store. Andere Hersteller wollen seine Kunden über die Anwendungen binden. Eine im BlackBerry Application Center wird sich schlecht auf ein Gerät eines anderen Herstellers laden lassen. Nokia-Anwendungen werden nicht auf dem G1 (engl.) laufen. Android wird kein iPhone unterstützen…
Dadurch ergibt sich ein neues Bild in der mobilen Landschaft. Bis jetzt war es leicht sein Mobiltelefon, aber schwierig seinen Betreiber zu wechseln.
Spätestens seit der Rufnummernportierung ist das kein Problem mehr. Einzig die Mindestvertragsdauer von üblicherweise 24 Monaten war bislang ein Hindernis. Doch sogar diese beginnt schon zu bröckeln. Der österreichische Mobilfunkanbieter tele.ring (2006 von T-Mobile übernommen) wirbt gerade mit Angeboten ohne Bindung (wenn man kein subventioniertes Gerät nimmt).
Dies deutet darauf hin das in Zukunft das Gerät die Bindung ist, nicht mehr der Betreiber. Ob das nun besser oder schlechter ist, sei dahingestellt.
Wenngleich es sehr gut ist das der Download von Software auf sein Handy vereinfacht und komfortabler wird, wäre es doch wünschenswert wenn Softwareanbieter mit innovativen Ideen darauf reagieren und die Portierung von einer Plattform zur nächsten ermöglichen.
Einen Ausweg aus dieser Plattform-Problematik könnte sich in Webanwendungen finden. Wenn zumindest die Browser auf Standards setzen und diese vielleicht noch auf Gerätefunktionen (GPS, Telefonbuch, …) zugreifen könnten, ließe sich die gesamte Problematik recht einfach umgehen und den Kunden eine echte Freiheit bringen.
Kunden wollen Lösungen, sie interessieren sich nicht für Geräte, Plattformen oder gar Hersteller bzw. Betreiber aber sie wollen es einfach!
Eine etwas andere Form der Glückwunsch-SMS wählt der Mobilfunkanbieter 3 in Österreich.
Hintergrund: der Betreiber bietet seinen Kunden bis zum 27. Geburtstag reduzierte Tarife.
Das der Tarif mit dem 27. Geburtstag umgestellt wird, war ja zu erwarten, die Form der Kommunikation lässt aber sogar mich als Freund der direkten Worte zusammenzucken!
Der/die Verantwortliche hat wohl in der Vorlesung “CRM” geschlafen. Macht das doch bitte besser!
Bitte aus diesem Posting nicht auf meinen Geburtstag schließen. Das Datum stimmt nicht überein.
Wenn es darum geht die Nutzung von mobilem Internet, wobei hier der Zugang mit dem Handy gemeint ist, in Zahlen zu packen, dann gibt es jede Menge Studien und Umfragen und jede kommt zu einem anderen Ergebnis.
Auf dem von mir oft erwähnten Blog Mobile-Zeitgeist lief vor kurzem eine Umfrage unter den Besuchern, wann sie den Durchbruch des Mobile Webs sehen. Die Frage hat Experten angesprochen, die klare Zielgruppe des Blog. Darum ist das Ergebnis auch sehr interessant und als Einschätzung von Experten sehr wertvoll.
Eine etwas andere Kommunikation hat der Blog deutsche-startups.de gewählt. Hier wurde eine On-site Umfrage als repräsentativ für die Internet-Gesamtnutzerschaft bezeichnet und sogar von Tecchannel aufgegriffen. Ich weiß wie schwer es ist an aussagekräftige Zahlen zu kommen bzw. wie teuer sie zu bekommen sind. Die Umfrage für sich ist auch sehr spannend und interessant, allerdings sehe ich die Besucher eines Startup-Blogs nicht als repräsentativ an.
Dennoch bietet vor allem die Auswertung der genutzten Anwendungen einen interessanten Einblick in das Nutzungsverhalten. Ich denke, diese Anwendungen würden auch bei einer repräsentativeren Umfrage nicht viel anders aussehen und bieten daher einen guten Anhaltspunkt für die Relevanz gewisser Anwendungen.
Nachtrag: Die Umfrage wurde nicht nur On-Site gemacht, sondern auch in Zusammenarbeit mit meinungsplatz.de. Wie repräsentativ dies ist, sollte jeder selbst für sich entscheiden.
Ich finde derartige Umfragen immer wieder sehr wichtig und gut, allerdings sollte man sich nicht allzu sehr darauf verlassen.
Ende Juli hatte ich die Gelegenheit bei einer Reise nach Japan den wohl am besten entwickelten Mobilfunkmarkt vor Ort zu erleben und den Japanern im täglichen Leben über die Schultern zu blicken.
Was ich erlebt habe kann kurz mit “Es stimmt!” zusammenfassen, die Japaner sind Österreich, Deutschland und wahrscheinlich ganz Europa mobilfunkmäßig einiges voraus.
Man wird in Japan nur schwer einen Ort finden an dem man die Leute ohne Handy sieht. Egal ob in der U-Bahn, in der Einkaufsstraße oder beim Kaffee, die Leute haben ein Handy in der Hand und machen etwas damit.
Beim Blick über die Schultern sind mir mit SMS, Musik-Player und Internet bzw. das in Japan populäre i-mode, die üblichen Anwendungen aufgefallen. Wobei die i-mode Nutzung häufiger zu beobachten ist, als Internet am Handy in der Heimat. Was die Leute genau machen, kann ich aufgrund mangelnder japanisch Kenntnisse nicht wirklich sagen.
Besonders auffällig ist die starke Verbreitung von 2D Codes in den Straßen, Geschäften und Restaurants. Wie die Bilder am Ende des Artikels beweisen, findet man bei sehr vielen Gelegenheiten diese Shortcodes ins Internet.
Sehr verbreitet ist auch das Bezahlen mit dem Handy. Jeder Durchgang in der U-Bahn hat neben dem üblichen Scanner für das Papier-Ticket auch einen Reader für das Handy. Reader für das Handy und Handy-Bezahlen findet man auch in den Filialen von McDonald’s. Die Technik dahinter ist NFC (Near Field Communication), eine Übersicht von mobile Payment in Japan habe ich bei SlashPhone (en) gefunden.
Während wir in Europa noch darüber diskutieren wie man das Handy in der Öffentlichkeit nutzt und wie man andere Personen nicht damit belästigt, scheint das im sehr disziplinierten und rücksichtsvollen Japan kein Thema zu sein. Weder in der U-Bahn noch sonst wo hört man ein Klingeln oder Gepiepse, Lautlos scheint die Default-Einstellung zu sein. Wirklich sehr angenehm. Lautes Brüllen in der Öffentlichkeit ist in Japan gänzlich unvorstellbar, darum wird man auch nie ein lautes Telefonat mitbekommen. Kids, die in der U-Bahn ihre Handylautsprecher (und die Mitreisenden) einer Belastungsprobe unterziehen, wären wohl ein Grund sie einzuweisen.
Laut einer aktuellen Studie (en) glauben nur 10% der befragten Personen in Japan alle Funktionen ihres Mobiltelefons zu kennen. Diese Studie zeigt, dass die Japaner und Japanerinnen nicht besser mit ihren Geräten zurecht kommen. Wie in anderen Teilen der Erde kämpfen dort die Leute mit der Funktionsvielfalt ihrer Geräte und können nicht die ganzen Möglichkeiten ausschöpfen.
Wie Michael Mace auf seinem Blog Mobile Opportunity richtig analysiert, scheint es wirklich am offensiven Verhalten der Akteure im Mobilfunk zu liegen. Provider und Service-Anbieter scheinen viel offener gegenüber neuen Technologien und Möglichkeiten zu sein und wagen es viel schneller mit neuen Produkten auf den Markt zu gehen.
Bei der starken Nutzung von i-mode und anderen Datendiensten spielt natürlich auch die Tatsache mit, dass in Japan eine Flatrate am Handy die Regel anstatt einer Ausnahme ist und das mobile Internet seit Jahren zum mobilen Alltag gehört und leistbar ist.
Eine sehr gute Studie zu diesem Thema wurde bereits letztes Jahr von Capgemini veröffentlicht!