Das in Österreich der App Zug noch etwas Verspätung hat, ist nicht unbedingt eine sensationelle Neuigkeit. Die Marketing-Agentur Point of Origin hat die Situation im österreichischen Apple App Store genauer betrachtet und eine sehr interessante und aussagekräftige Grafik dazu erstellt.
Interessant zu wissen ist vielleicht, dass sowohl “Billig tanken” als auch die SK Rapid App ursprünglich unabhängig von Rapid und ÖAMTC entwickelt wurden und erst später von den Vereinen übernommen wurden.
Ich bin jedoch überzeugt, dass wir in den nächsten Monaten noch einige gute Apps von heimischen Unternehmen sehen werden. Im Moment brodelt es gerade an vielen Stellen und viele bekannte Unternehmen überlegen wie sie den Boom der App Stores für ihr Marketing nutzen können. Die Kunden wollen mehr heimische Marken sehen, wie die Studie von Nokia bereits sehr deutlich gezeigt hat.
Mehr zum Thema “App (for) Marketing” gibt es übrigens am Montag beim MobileMonday #6 im Naturhistorischen Museum in Wien.
Beim heurigen E-Day präsentierte Nokia eine von ihnen in Auftrag gegebene Studie zur mobilen Internetnutzung und Applikationen in Österreich, die einige sehr interessante Zahlen enthält.
Wien, am 4. März 2010 – Mobile Apps sind aktuell in aller Munde. Und auch auf allen Mobiltelefonen? Wie mobile Applikationen von Usern in Österreich genutzt werden und was sie schätzen oder vermissen, zeigt eine aktuelle Studie des Markt- und Meinungsforschungsportals checkboxx im Auftrag von Nokia. Die Online-Umfrage zur mobilen Internetnutzung und mobilen Applikationen wurde im Februar 2010 unter 600 technisch affinen und nicht affinen Panelteilnehmern durchgeführt. „Wir beleuchten mit dieser Studie die Nutzung von mobilem Internet und Applikationen in Österreich und zeigen dabei die Bedürfnisse, Wünsche und offene Fragen der Anwender auf“, so Martin-Hannes Giesswein, Head of Services and Retail Nokia Alps & South East Europe. Und ergänzt: “Die Ergebnisse dieser Studie bieten auch Unternehmen interessante Einblicke, was User im Bereich mobile Apps schätzen und vermissen”.
Rund ein Drittel (32 Prozent) der Befragten greift mit dem Handy oder Smartphone mobil auf das Internet zu und 27 Prozent haben bereits Erfahrungen mit mobilen Apps gesammelt. Männer sind mobil derzeit aktiver, 38 Prozent nutzen Internet und bereits 35 Prozent Apps. Bei den befragten Frauen sind es 20 Prozent, die mobil auf das Internet zugreifen und 12 Prozent, die mobile Anwendungen kennengelernt haben.
Navigation (55 Prozent) und „praktische“ Helfer (48 Prozent) wie Kalender führen das Ranking der beliebtesten mobilen Anwendungen bei App-Nutzern an. Im Schnitt haben die befragten heimischen User, die mit den kleinen Programmen vertraut sind, 9,6 Apps auf ihrem Mobiltelefon installiert. 39 Prozent der App-Nutzer haben bereits kostenpflichtige Anwendungen heruntergeladen. Gründe für die Nicht-Nutzung von Apps sind kein Interesse (35 Prozent), Mobiltelefone, die Apps nicht unterstützen (30 Prozent) sowie unklare Kosten (26 Prozent).
27 Prozent der Befragten nutzen bereits mobile Applikationen. Der Großteil von diesen stammt direkt vom App-Hersteller (41 Prozent) wie Verkehrsverbund Ostregion (VOR) oder Facebook. Die befragten App-Nutzer greifen ebenfalls stark auf die Angebote der Mobilfunkanbieter (29 Prozent) und des Ovi Store (28 Prozent) zu. Der bereits installierte Zugang am Mobiltelefon bestimmt die Auswahl des jeweiligen App-Store entscheidend (44 Prozent) mit. Zusätzlich ist die gesicherte Qualität der Anwendungen (33 Prozent) für die befragten Nutzer bei der Entscheidung für einen App-Store wichtig.
Tipps und Empfehlungen von Freunden (43 Prozent) sowie App-Stores (42 Prozent) sind die Hauptinformationsquelle für neue Anwendungen. Jeder Vierte (27 Prozent) App-Installer erfährt über Fachzeitschriften oder Magazine, was es Neues an Applikationen gibt.
Gewünscht werden vor allem Anwendungen aus dem Bereich Personen-/Warentransport (23 Prozent) wie Fahrplaninformationen. Von der Medienbranche (16 Prozent) wünschen sich die Umfrage-Teilnehmer kleine Helfer wie TV-Programme. Auch über Applikationen von Verwaltung (15 Prozent), Handel und Banken (jeweils 10 Prozent) freuen sich die Befragten.
Wesentliche Gründe, weshalb das Internet am Handy noch nicht genutzt wird, sind zu kleine Handy-Displays (37 Prozent) und die Unsicherheit über mögliche Kosten (36 Prozent). Fast jeder Dritte sieht derzeit noch keinen Bedarf für sich, während bei jedem Fünften das Mobiltelefon die technischen Voraussetzungen nicht erfüllt. Jene, die mobil ins Internet gehen, bewerten verbesserte Zoom-Möglichkeiten, um Websitetexte besser lesen zu können (90 Prozent), größere Displays (86 Prozent) und Touchscreen-Geräte (81 Prozent) als hilfreich.
Drei von vier mobilen Internet-Usern ist auch die Kostenkontrolle wichtig. Sie haben eigene Datenpakete abgeschlossen oder diese in ihrem Mobilfunk-Tarif bereits inkludiert. Jeder zweite (53 Prozent) gibt dazu ein Datenvolumen von 1 GB an, ein Datenpaket von mehr als 5 GB nützen 7 Prozent. Nur 5 Prozent beschäftigen sich mit dem Aspekt nicht. Sie wissen nicht, ob in ihrem Tarif ein Datenpaket inkludiert ist.
In Österreich sind bereits Austrian, Die Presse.com und derStandard.at mit eigenen Applikationen im Ovi Store vertreten. Seit der Eröffnung im Mai 2009 hat jeder Nutzer weltweit durchschnittlich 12 Apps heruntergeladen. Täglich werden rund 1,5 Millionen Apps heruntergeladen, pro Sekunde sind es 15 Downloads und jedes Monat verdoppelt sich die Anzahl der “Käufer” im Ovi Store.
Wie ich schon des öfteren angemerkt und im Artikel über Walled Gardens auch veröffentlicht habe, bin ich der Meinung, dass nicht für jeden Anwendungsfall eine mobile Applikation sinnvoll ist. Vor kurzem hat Vic Gundotra, Google Engineering Vizepräsident, bei einer Konferenz angemerkt, dass die Zukunft in Web-Apps zu suchen ist.
Das dieser Kommentar nicht an den Haaren herbeigezogen ist, beweist Google mit Google Latitude für das iPhone recht anschaulich. Der Dienst zeigt gut, wie weit man mittlerweile Telefonfunktionen innerhalb des Browsers nutzen kann und wie komfortabel sie auch zu bedienen sind. Bei Latitude, einem Dienst bei dem man seinen Freunden bekannt geben kann wo man sich gerade aufhält, wird von der Webapplikation auf den gegenwärtigen Standort (Zellinformation, WLAN-Positionierung oder GPS) zurückgegriffen.
Das ist nur möglich, weil der Browser (Safari) ab iPhone OS 3.0 auf die Positionsbestimmungsmethoden des Gerätes zugreifen kann und das an die Webapplikation weiterreicht. Firefox 3.5 bringt diese Möglichkeit auch auf den Desktop-PC bzw. Notebook und zeigt in meinen Augen ganz gut, wie die Zukunft der Browser aussehen wird. Auf mobilen Browsern macht die Position in meinen Augen noch mehr Sinn – das werden die verschiedenen Hersteller wohl über kurz oder lang auch so sehen.
Für die Entwickler von mobilen Diensten würde das eine deutliche Erleichterung und Kostenersparnis bringen, da nicht mehr für iPhone, Android, S60, Maemo, Java, Windows Mobile, usw. entwickelt werden müsste, sondern “nur” noch die Stylesheets und Skripte für den Zugriff auf diese Funktionen angepasst werden müssten. Ganz nebenbei würde man sich noch die “wird meine App zugelassen”-Angst ersparen und sie auch leichter updaten können, ohne die User gleich mit Updates bombardieren zu müssen.
Ich bin überzeugt, dass Browser in Zukunft auf weitere Kernfunktionen des Gerätes zurückgreifen werden und sich dann viele Dienste überlegen, noch eigene Applikationen zu entwickeln. Welchen Nutzen hat “TIME.com” wirklich, wenn sie als x-te Zeitung eine eigene iPhone-Applikation im App Store zur Verfügung stellt? Erreichen sie mit einer wirklich guten mobilen Version die zahlreichen Blackberrys, Nokias, etc. und natürlich die iPhones nicht genauso gut? Wahrscheinlich liegt es einfach daran, dass es mittlerweile zum guten Ton gehört, auch eine iPhone App zu haben.
Viele in der mobilen Welt sehen das Ende der Walled Gardens (engl.) herannahen. T-Mobile, Vodafone, Orange & Co haben seit dem Beginn mobiler Datendienste die Kunden in ihrer Welt gehalten und versucht sie so zu binden. Netzinterne SMS und MMS sind nach wie vor teilweise günstiger, das WAP bzw. Web-Portal ist ebenfalls frei oder günstiger und vor allem vorkonfiguriert. Datenpakete teilweise auf HTTP-Trafik limitiert, natürlich nur im Kleingedruckten. Die meisten Betreiber sehen jedoch ihre Gewinne mit reiner Telefonie dahinschwinden, bei steigenden Umsätzen und sehen daher ihre Zukunft in den mobilen Datendiensten. Dies führt dazu das sie ihre Walled Gardens schön langsam öffnen und sich der Markt mobiler Anwendungen zu entwickeln beginnt. Von einem Massenmarkt sind wir, auch wenn wir mobilen Jünger das oft anders sehen, noch meilenweit entfernt.
Auch wenn die Fesseln der Mobilfunker noch nicht gesprengt sind, werden schon neue geschmiedet. Nur sind es dieses mal nicht die Betreiber sondern die Gerätehersteller. Ausgehend von Apple entwickeln sich derzeit neue Walled Gardens. RIM (Blackberry) arbeitet laut Crunchgear (engl.) an einem BlackBerry Application Center. Googles Android wird einen Android Market (engl.) mitbringen. Am weitesten geht allerdings Nokia und versucht Apple mit den eigenen Waffen zu schlagen. Mit “Comes with Music” will Nokia seine Kunden nicht über Software sondern mit Musik an sich binden. Das “Musik-Abo” kommt mit dem Gerät und wird mit einem neuen Gerät verlängert. Mit “Laden!” gibt es von Nokia für S60-Geräte schon seit längerem einen de facto App Store, hat nur nicht funktioniert.
Apple fesselt bindet seine iPod/iPhone-User sowohl über die Kombination iTunes und dort sortierte Inhalte, als auch über Anwendungen aus dem App Store. Andere Hersteller wollen seine Kunden über die Anwendungen binden. Eine im BlackBerry Application Center wird sich schlecht auf ein Gerät eines anderen Herstellers laden lassen. Nokia-Anwendungen werden nicht auf dem G1 (engl.) laufen. Android wird kein iPhone unterstützen…
Dadurch ergibt sich ein neues Bild in der mobilen Landschaft. Bis jetzt war es leicht sein Mobiltelefon, aber schwierig seinen Betreiber zu wechseln.
Spätestens seit der Rufnummernportierung ist das kein Problem mehr. Einzig die Mindestvertragsdauer von üblicherweise 24 Monaten war bislang ein Hindernis. Doch sogar diese beginnt schon zu bröckeln. Der österreichische Mobilfunkanbieter tele.ring (2006 von T-Mobile übernommen) wirbt gerade mit Angeboten ohne Bindung (wenn man kein subventioniertes Gerät nimmt).
Dies deutet darauf hin das in Zukunft das Gerät die Bindung ist, nicht mehr der Betreiber. Ob das nun besser oder schlechter ist, sei dahingestellt.
Wenngleich es sehr gut ist das der Download von Software auf sein Handy vereinfacht und komfortabler wird, wäre es doch wünschenswert wenn Softwareanbieter mit innovativen Ideen darauf reagieren und die Portierung von einer Plattform zur nächsten ermöglichen.
Einen Ausweg aus dieser Plattform-Problematik könnte sich in Webanwendungen finden. Wenn zumindest die Browser auf Standards setzen und diese vielleicht noch auf Gerätefunktionen (GPS, Telefonbuch, …) zugreifen könnten, ließe sich die gesamte Problematik recht einfach umgehen und den Kunden eine echte Freiheit bringen.
Kunden wollen Lösungen, sie interessieren sich nicht für Geräte, Plattformen oder gar Hersteller bzw. Betreiber aber sie wollen es einfach!
Ende Juli hatte ich die Gelegenheit bei einer Reise nach Japan den wohl am besten entwickelten Mobilfunkmarkt vor Ort zu erleben und den Japanern im täglichen Leben über die Schultern zu blicken.
Was ich erlebt habe kann kurz mit “Es stimmt!” zusammenfassen, die Japaner sind Österreich, Deutschland und wahrscheinlich ganz Europa mobilfunkmäßig einiges voraus.
Man wird in Japan nur schwer einen Ort finden an dem man die Leute ohne Handy sieht. Egal ob in der U-Bahn, in der Einkaufsstraße oder beim Kaffee, die Leute haben ein Handy in der Hand und machen etwas damit.
Beim Blick über die Schultern sind mir mit SMS, Musik-Player und Internet bzw. das in Japan populäre i-mode, die üblichen Anwendungen aufgefallen. Wobei die i-mode Nutzung häufiger zu beobachten ist, als Internet am Handy in der Heimat. Was die Leute genau machen, kann ich aufgrund mangelnder japanisch Kenntnisse nicht wirklich sagen.
Besonders auffällig ist die starke Verbreitung von 2D Codes in den Straßen, Geschäften und Restaurants. Wie die Bilder am Ende des Artikels beweisen, findet man bei sehr vielen Gelegenheiten diese Shortcodes ins Internet.
Sehr verbreitet ist auch das Bezahlen mit dem Handy. Jeder Durchgang in der U-Bahn hat neben dem üblichen Scanner für das Papier-Ticket auch einen Reader für das Handy. Reader für das Handy und Handy-Bezahlen findet man auch in den Filialen von McDonald’s. Die Technik dahinter ist NFC (Near Field Communication), eine Übersicht von mobile Payment in Japan habe ich bei SlashPhone (en) gefunden.
Während wir in Europa noch darüber diskutieren wie man das Handy in der Öffentlichkeit nutzt und wie man andere Personen nicht damit belästigt, scheint das im sehr disziplinierten und rücksichtsvollen Japan kein Thema zu sein. Weder in der U-Bahn noch sonst wo hört man ein Klingeln oder Gepiepse, Lautlos scheint die Default-Einstellung zu sein. Wirklich sehr angenehm. Lautes Brüllen in der Öffentlichkeit ist in Japan gänzlich unvorstellbar, darum wird man auch nie ein lautes Telefonat mitbekommen. Kids, die in der U-Bahn ihre Handylautsprecher (und die Mitreisenden) einer Belastungsprobe unterziehen, wären wohl ein Grund sie einzuweisen.
Laut einer aktuellen Studie (en) glauben nur 10% der befragten Personen in Japan alle Funktionen ihres Mobiltelefons zu kennen. Diese Studie zeigt, dass die Japaner und Japanerinnen nicht besser mit ihren Geräten zurecht kommen. Wie in anderen Teilen der Erde kämpfen dort die Leute mit der Funktionsvielfalt ihrer Geräte und können nicht die ganzen Möglichkeiten ausschöpfen.
Wie Michael Mace auf seinem Blog Mobile Opportunity richtig analysiert, scheint es wirklich am offensiven Verhalten der Akteure im Mobilfunk zu liegen. Provider und Service-Anbieter scheinen viel offener gegenüber neuen Technologien und Möglichkeiten zu sein und wagen es viel schneller mit neuen Produkten auf den Markt zu gehen.
Bei der starken Nutzung von i-mode und anderen Datendiensten spielt natürlich auch die Tatsache mit, dass in Japan eine Flatrate am Handy die Regel anstatt einer Ausnahme ist und das mobile Internet seit Jahren zum mobilen Alltag gehört und leistbar ist.
Eine sehr gute Studie zu diesem Thema wurde bereits letztes Jahr von Capgemini veröffentlicht!