Bei der Präsentation der Nokia Studie zur Nutzung von mobilen Internet und mobilen Applikationen konnte ich es mir nicht verkneifen, die Qualität einiger Applikationen zu kritisieren.
Wie regelmäßige Leser dieses Blogs wissen, bin ich kein uneingeschränkter Befürworter des derzeitigen App-Hypes. Das liegt aber auf keinem Fall daran, dass ich mobile Applikationen an sich schlecht finde. Sondern daran, dass meiner Meinung nach viele der verfügbaren Applikationen leider schlicht und einfach Schrott sind und/oder keinen Mehrwert gegenüber einer mobilen Webversion bieten.
Was macht eine gute mobile App aus?
Um nicht nur zu kritisieren, sondern auch konstruktiv zu sein, versuche ich hiermit einige Merkmale einer guten mobilen App zu identifizieren:
Nutzt Funktionen des Handys, auf die mit dem Browser nicht zugegriffen werden kann
Wenn eine Anwendung auf Funktionen des Gerätes zugreift, die mit dem Browser nicht genutzt werden können, führt gar kein Weg an einer solchen nativen App vorbei. Dazu zählen:
- Kamera
- Lagesensor
- Kompass
- Telefonbuch
- intensive Nutzung von Audio/Video
Beispiele dafür sind:
- Navigation
- Augmented Reality
- Kontaktaustausch
- Wasserwaage bzw. Neigungsmesser
- Metalldetektor
- Podcasts
Bietet ein besonderes UI, das im Browser schwer umgesetzt werden kann
Wenn eine Anwendung ein besonders hochwertiges User Interface (UI) bietet, muss ebenfalls Hardware-nahe entwickelt werden.
Beispiele dafür sind:
- Spiele
- Google Earth, Google Sky
- Mind Mapping
- “Welt Mobil” am iPhone
Speichert Daten am Handy
Werden größere Mengen an Daten für die spätere Offline-Nutzung oder um eine bessere Performance zu erzielen gespeichert, ist eine App auch zu bevorzugen.
- News Reader
- Tripwolf am iPhone
- Notizen, Aufgaben, Budgetverwaltung
Laufen im Hintergrund
Wenn eine Applikation im Hintergrund läuft oder beispielsweise die Push-Notification von Apple nutzt, um Updates (Social Networks, News, Email, …), Ereignisse (Termine, Location, …), Prozesse (Task Manager) oder Ähnliches zu überwachen, kann ebenfalls nicht auf eine native Applikation verzichtet werden.
Beispiele dafür sind:
- Yellix
- Taskmanager
Wird intensiv genutzt
Natürlich glaubt jede Marke und jeder Entwickler, seine Anwendung wird das nächste Facebook und wird ständig genutzt. Dazu kann ich nur eines sagen: “Dem ist nicht so!”
Für Anwendungen wie Facebook, Twitter & Co. erwarte ich mir auf jeder Plattform eine entsprechende App. Diese Dienste werden zumindest einmal täglich genutzt und sollten deshalb leicht aufrufbar sein und schnell laden.
Beispiele dafür sind:
- Facebook, Twitter oder andere Social Networking Anwendungen
- Skype und andere Messenger
- Wetter
- Aktienkurse
- Fahrplanabfrage
- Webanalyse-Tools (vgl. Google Analytics)
Welche Negativbeispiele gibt es?
Grundsätzlich wird die Qualität der mobilen Applikationen immer besser und die Konkurrenz in den großen Stores tut ihr übriges. Anhand des Android Market konnte man sehr gut die Steigerung der Qualität beobachten: Vor einem Jahr waren dort noch hauptsächlich “Proof of concept”-Applikationen zu finden. Mittlerweile haben die Anwendungen in diesem Markt bereits eine sehr gute Qualität.
Trotzdem sind in jedem Store noch Negativbeispiele zu finden. Ein paar Beispiele möchte ich hier nennen und kurz begründen:
BlueTomato App am iPhone
Vorweg muss ich sagen, dass ich ein absoluter Fan dieses Shops bin. Ansonsten wäre ich auf diese App wahrscheinlich auch gar nicht aufmerksam geworden und hätte mir ein anderes Opfer gesucht.
Begründung: Bis auf die Merkliste könnte diese App recht einfach (und sicher kostengünstiger) 1:1 mit einer mobilen Webseite realisiert werden. Zusätzlich könnte man mit der mobilen Website auch zusätzlich noch Android Geräte und mit ein wenig mehr Anpassung jedes andere moderne Handy bedienen. Wenn man das Ganze in eine WebView packt, hat man sogar noch eine App im App Store, wenn man HTML5 einsetzt, kann sogar die Merkliste realisiert werden.
Die Presse bzw. Der Standard auf Nokia
Die beiden Anwendungen waren der konkrete Auslöser für meine Kritik beim E-Day und diesen Beitrag. Die Motivation der Entwickler diese Anwendungen zu machen, möchte ich hier gar nicht kritisieren. Auslöser für meine Kritik war die Tatsache, dass weder ein vollständiger Feed zur Verfügung gestellt wird und man dadurch nur die Einleitung lesen kann. Für den vollständigen Artikel wird man auf die Webseite weitergeleitet. In meinen Augen ist das für den Benutzer frustrierend und macht die Applikation nutzlos.
Ausblick
Mit HTML5 werden die Argumente für native Apps noch weniger werden, da darin schon Funktionen wie Datenspeicherung, Video oder Geolocation integriert sind. In einer Studie von ABI Research wird davon ausgegangen, dass der App-Hype noch bis 2013 anhält und dann Web-Apps stärker genutzt werden.
Generell ist zu sagen, dass sich die Qualität der Apps auf den einzelnen Plattformen recht schnell selbst reguliert. Schlechte Applikationen werden einfach weniger herunter geladen bzw. gleich wieder deinstalliert und sterben einen stillen Tod. Umso wichtiger ist es für Entwickler und Unternehmen auch geworden, die eigene Anwendung auch wirklich “schön” zu machen und mit einem Mehrwert zu versehen.
















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