// 5 vor 12 für Nokia

Hintergrund

5 vor 12 für Nokia


Für Nokia sieht es im Moment nicht gut aus! Blogger wenden sich ab, Samsung verkauft in Westeuropa mehr Geräte und keine Rettung in Sicht!

Dieser Tweet hat einige Reaktionen nach sich gezogen, deshalb möchte ich die Beweggründe für diese Aussage etwas näher darlegen und die Ereignisse der letzten Zeit zusammenfassen:

  • Meiner Beobachtung nach bloggen kaum noch Leute über Nokia (bis auf ein paar verstaubte Gesellen und jene, die von Nokia ganz gut leben und/oder bedient werden). Neue und gute Blogs rund um Nokia entstehen keine mehr.
  • Spitze des Eisberges war das Ende von Symbian-Guru. Seinem Post kann ich nur zustimmen und Nokia sollte das verdammt ernst nehmen.
  • Gestern gab es mehrere Meldungen, dass Samsung Nokia in Westeuropa bei den Verkaufszahlen schon überholt – bisher das Top-Argument von Nokia. Am US-Markt haben sie noch nie ernsthaft Fuß fassen können.
  • Ich finde es super von Nokia, dass sie für die Emerging Markets (Indien, Afrika, …) recht viel tun. Hier befindet sich der Zukunftsmarkt und das Leben der Leute dort verbessert sich durch mobile Technologien eindeutig. Leider wird dies in der westlichen Welt kaum wahr genommen bzw. interessiert den gemeinen Blogger, der ein sexy Gerät haben will, nicht.
  • Seit dem N95 von vor 5 Jahren hat Nokia kein Gerät mehr gebaut, das mich uneingeschränkt begeistert hat. Die E-Serie ist hier ausgenommen, mit der ich kaum Erfahrung habe.
  • Das N97 war voll von Software-Bugs und nicht durchgängig zu bedienen, was die tolle Hardware zunichte macht.
  • Das N900 ist ein cooles Gerät – für Freaks und nicht für den Massenmarkt ausgelegt, denn für den täglichen Gebrauch ist es leider zu unhandlich.
  • Viele frühere Nokia-User sind schon auf Android oder iPhone umgestiegen, weil einfach nichts Passendes von Nokia erhältlich ist, obwohl sie prinzipiell gerne bei Nokia geblieben wären. Bestes Beispiel ist ein Geschäftsführer, der früher auf seinen Communicator geschworen hat, jetzt ein N97 hat und so frustriert von dem Teil ist, dass er jetzt ein iPhone von seiner IT-Abteilung testen lässt und wohl bald iPhone-User ist. Nokia wird ihn so schnell nicht wieder sehen.
  • Das N8 wird IMO ein kommerzieller Erfolg, von sexy oder gar revolutionär ist das Gerät aber auch weit we. Behauptet Nokia aber eh selbst auch nicht.
  • Größtes firmeninterne Problem ist meiner Meinung nach, dass sie ständig sagen “Es wird was kommen” und “Wir sind noch immer die Größten”. Genau deswegen wird Nokia jetzt auch überall zerrissen und nicht mehr ernst genommen. Wenn sie sagen würden „Haben wir verschlafen, wir arbeiten dran, lasst uns Zeit, im Moment halten wir uns mit Massenmarkt-Geräten über Wasser!“ wäre es ehrlich und würden wohl die meisten verstehen.
  • Sie haben jede Menge Online-Services, die eigentlich gar nicht zu ihnen passen und auch nicht genutzt werden.
    • Wozu ein Bilder-Dienst?
    • Ovi Mail, Kalender & Kontakte (Eine Chance wäre, es zu öffnen und als Exchange Alternative ausbauen, Gmail ist so erfolgreich geworden.)
    • Ovi Maps ist super, nur weit davon entfernt mit Google Maps konkurrieren zu können. (nur für Nokia verfügbar, keine API um sie auf der eigenen Seite zu nutzen, nicht mal embedden kann man sie)
  • Wenn Nokia schon ein Internetkonzern sein will, dann sollen sie ihre Dienste auch für alle zugänglich machen, nicht nur für jene, die auch ein Nokia-Handy haben.
  • MeeGo hat meiner Meinung nach das Potential, wieder eine Revolution hervorzubringen – da bin ich gespannt was sie daraus machen. Aber auch hier gilt: Weniger reden und dann mit einer echten finalen Version auf den Markt gehen. Vielleicht ist bis dahin auch der App-Hype abgeklungen und Nokia kann sich auf die Cloud konzentrieren. Apps haben sie auf alle Fälle verschlafen, das müssen sie sich eingestehen. Die Synchronisation zwischen den Geräten ist daher die Chance von MeeGo. Die gleichen Inhalte auf Handy, TV, im Auto, Tablet -  immer synchron, das wäre was.

Fazit

Nokia hat im verdammt viele Baustellen und Aufgaben. Sie sind über Jahre auf einem vierbeinigen Thron gesessen -  Apple hat ihnen ein Bein blitzartig ausgerissen, Google langsam ein weiteres durchgesägt und Samsung nagt gerade am dritten. Ich hoffe, sie können am vierten so gut balancieren, dass sie nicht umfallen bzw. nur mehr Produzent von Low-End Geräten verkommen.

Ich liebe Nokia! Ich finde, sie bauen noch immer die beste Hardware und sind ein zuverlässiger und vertrauenswürdiger Hersteller. Außerdem hätte ich gerne einen bedeutenden europäischen Player im Wettbewerb von Apple, Google & Co., der sich um Datenschutz kümmert. Gerade deshalb sehe ich nur ungern zu, wie es mit ihnen seit Jahren nach unten geht.

Kommentare

9 Kommentare für “5 vor 12 für Nokia”

  1. Sehr schöner Post muss ich sagen. Obwohl Nokia Enthusiast, hab ich bei meinem Wechsel zu A1, ein HTC desire genommen, ganz einfach weil Nokia nix hat, das mich bei Laune halten könnte (bzw weil ich die meisten aktuellen schon habe).

    Zustimmen kann ich dir auch bei den Punkten bezüglich OVI Services. bis auf die Maps, die sehr gut funktionieren, verwende ich gar nix mehr. Ich erinnere mich immer wieder gerne an ein video von us-bloggerin tnkgrl die gemeint hat: “stop reinventing the f**king wheel nokia, go back to the roots”.

    meine hoffnung liegt auf Meego, lets go Nokia!

    Veröffentlicht von Michael Hell | 8. Juli 2010, 14:41
    • Vielen Dank!

      Ich hab mir auch ein HTC Desire besorgt und das obwohl ich Google sehr skeptisch sehe und meine Daten eigentlich lieber für mich behalte.

      Vielleicht bringt ja die Kooperation mit Yahoo! eine Änderung und sie legen ihre Services mit denen von Yahoo zusammen. Vielleicht wird dann aus zwei Hinkenden wieder ein Sieger.

      Auf MeeGo bin ich auch gespannt! Mal sehen!

      Veröffentlicht von Peter Hoeflehner | 8. Juli 2010, 15:27
      • naja, ich benutze google sehr viel und einige der services. dazu kommt noch meine liebe zu flickr, da kommt mir android immer sehr entgegen. zwecks daten bin ich ohnehin nicht so zimperlich.

        Die super einfache Integration is auch ein punkt an dem nokia hart arbeiten muss.. schaun wir mal was die zukunft bringt

        Veröffentlicht von Michael Hell | 8. Juli 2010, 15:34
  2. Hallo Peter!
    Wir machen uns keine Illusionen und sind uns unserer Aufgabe für die nächsten Monate auch bewusst. Wir arbeiten hart daran, um das Vertrauen unserer Fans, Kunden und Kritiker zurückzugewinnen. Am besten hat es wohl Anssi Vanjoki zusammen gefasst: The fightback starts now http://conversations.nokia.com/2010/07/02/the-fightback-starts-now/

    Veröffentlicht von Stephanie | 8. Juli 2010, 15:24
    • Das ihr euch bei Nokia Österreich des Problems bewusst seid, habe ich bei einigen Gesprächen gemerkt. Christoph scheint eh schon nervös zu zucken, wenn er mich sieht! ;)

      Ich habe nur irgendwie das Gefühl, dass in Finnland das alte Denken teilweise noch recht tief sitzt.

      Der Blogpost von Anssi Vanjoki ist ein schönes Lippenbekenntnis, mehr im Moment leider noch nicht und bei “Starts now” bekomme ich Bauchkrämpfe. Was haben sie die letzten 3 Jahre in Espoo gemacht? Einnahmen der fetten Jahre gezählt?

      Veröffentlicht von Peter Hoeflehner | 8. Juli 2010, 15:35
  3. Es wirkt wie das typische Thronverhalten sowie du schreibst. Es gibt soviele Unternehmen, welche sich auf ihrer historischen Erfolge ausruhen. Ganz stark auch die Banken. Nokia versuchte jetzt über die Masse in Afrika oder Asien? Da wäre ich auch sehr vorsichtig. In Asien zieht ja Apple auch ganz schön an. Es müssten neue Posten her, wie zum Beispiel ein Innovationsmanager, der neue spannende Projekte vorantreibt.

    Veröffentlicht von Jürgen Liechtenecker | 8. Juli 2010, 19:38
  4. Du hast schon Recht damit, dass Nokia seine Vormacht abgegeben hat. Trotzdem halte ich das n900 für um Längen besser als das iPhone. Mal vom Neuen abgesehen, das einfach über ein halbes Jahr aktueller ist, kann das iPhone dem n900 nichts an Hardware, Flexibilität und Umfang vormachen. Lediglich die Integration und Bedinung, was wohl für viele DAUs ein Problem darstellt, handlet apple halt um Längen besser.

    Das jemand allerdings ernsthaft ein iPhone ohne multitask einem n900 vorzieht, der hat meiner Meinung nach garkeine wirkliche Verwendung für ein Smartphone. Natürlich würde ich meiner Mutter zu einem iPhone raten, aber bei meinen Kollegen die allesamt Informatiker sind, seh ich keine iPhones.

    Ich hoffe dass Nokia zu MeeGo noch ein ähnlich innovatives Handy vorstellen kann, das sich den DAUs nähert und die Nutzung der Funktionalitäten des n900 auch nicht Linuxkennern ermöglicht.

    Veröffentlicht von Philipp Speer | 6. August 2010, 11:23

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