// Nokia N97 – Hardware hui, Software… naja

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Nokia N97 – Hardware hui, Software… naja

Nokia ist in meinen Augen der Hersteller, der die besten Handys baut – zumindest was die Hardware betrifft. Bei der Software bzw. dem App Store (bei Nokia “Ovi Store” genannt) hakt es aber noch ordentlich. Da muss Nokia noch einiges tun, um mit Apple oder Android mithalten zu können.

Das neueste Nokia Flaggschiff N97 begleitete mich jetzt 1 1/2 Wochen durch den Alltag. Ich habe mir sowohl beim Donauinselfest, als auch bei diversen beruflichen Veranstaltungen und beim Sport einen ganz guten Eindruck über das Gerät verschaffen können.

Hardware

Wie ich eigentlich erwartet habe, überzeugt die Hardware. Das Handy liegt gut in der Hand, der Schiebemechanismus fühlt sich verdammt gut an, die Tastatur hat einen angenehmen Druckpunkt und eignet sich auch für etwas längere Emails oder Chats.

Bei den meisten Test wurde die Akku-Abdeckung als zu billig bewertet. Diesen Eindruck teile ich nicht. Es handelt sich zwar um dünnes Plastik, die Abdeckung hält aber bombenfest und zerkratzt sicher nicht so schnell wie so manche Hochglanzoberfläche.

32 GB Speicher sollten eigentlich genügen, dennoch kann man ihn mit MicroSD Karten noch um weitere 16 GB erweitern. Der Standard Klinken-Stecker für Kopfhörer und ein zukunftssicherer Mini-USB Anschluss zum Laden (wird ab 2010 Standardanschluss für alle Handy Ladegeräte in der EU) und Datenaustausch fallen sofort positiv auf. WLAN, HSDPA, GPS, usw. sind natürlich auch verbaut. Hier fehlt maximal der Kompass für etwaige AR- (Augmented Reality) Anwendungen. (siehe Wikitude)

Ein weiteres Highlight ist die Kamera. Mit 5 MP und einem LED-Blitz kann man mit ihr sehr gute Bilder schießen und die Digitalkamera daheim lassen. Außerdem bietet die Kamera zahlreiche Einstellmöglichkeiten, um besondere Effekte oder bessere Bilder zu erzielen.

Bei der Hardware habe ich nur einen Kritikpunkt: Die Leertaste der Tastatur ist etwas deplatziert, die würde ich in der Mitte suchen. Eine eigene Reihe für die Zahlen wäre ebenso hilfreich, das ist sich aber wohl aus Platzgründen nicht mehr ausgegangen. Das ist wohl auch der Grund, warum die Sonderzeichen etwas ungewohnt platziert sind. Wer würde das Ä schon auf der L-Taste suchen! Damit wird man aber nach kurzer Zeit zurecht kommen und sich darüber freuen, dass man eine echte Tastatur zur Verfügung hat.

Homescreen

Gleich nach der Inbetriebnahme des Handys sticht einem der Homescreen ins Auge. Diesen kann man mit Widgets an seine Vorlieben und seinen Bedarf anpassen. Mit diesen kleinen Helferlein sind alle relevanten Informationen auf einen Blick sichtbar und wichtige Funktionen sofort erreichbar. Nokia hat auch bereits einen eigene Widget Competition ausgeschrieben. Damit sollen wohl Entwickler dazu zu motivieren werden, weitere Widgets zu erstellen. Vorinstalliert sind unter anderem Widgets für Facebook, Wetter, Musik-Player, Kontakte, Programme, Kalender, …

Symbian

Von Symbian mag man halten was man will. Ich bin damit immer gut zurecht gekommen und war immer ein Freund davon.

Die 5. Version von Symbian (wo ist eigentlich v4 geblieben?) folgt dem Rad der Zeit und kann durchgängig mit den Fingern bedient werden. Man merkt allerdings, dass Symbian nicht von Anfang an für die Touch Bedienung entwickelt wurde, sondern ein vorhandenes System angepasst wurde.

Der Touchscreen reagiert gut und man wird mit haptischem Feedback (leichtes Vibrieren) belohnt. Das Scrollen funktioniert nicht wie bei anderen System mit einem leichten Wischen. Was man bei Symbian macht, erinnert eher an virtuelles Seilziehen, denn an ein Streicheln. In manchen Programmen (Tweet60) muss man überhaupt mit einer schmalen Scrollbar zufrieden sein. Von Durchgängigkeit und Ausgereiftheit kann man hier leider noch nicht sprechen.

Sehr sinnvoll, wenn auch am Anfang etwas ungewohnt, fand ich die On-Screen Tastatur im geschlossenen Zustand. Hier wird nämlich nicht wie erwartet eine vollständige Tastatur angezeigt, sondern eine Nummerntastatur mit Eingabeunterstützung. Dadurch kann man das Gerät aber auch sehr gut mit einer Hand und dickeren Fingern bedienen. In den Kontakten werden nur noch Buchstaben angezeigt, mit denen es auch weitere Treffer gibt. Hier hat Nokia sehr gut mitgedacht.

Synchronisation und Mail

Die Synchronisierung mit Outlook funktioniert mithilfe der PC-Suite (jetzt OVI Suite) perfekt. Der Email-Abruf läuft dank Nokia Messaging auch sehr gut. Wenn man will, bekommt man die Mails sogar gepusht und kann auch Zeiträume für den Push einstellen. Sehr praktisch, wenn man ab 18 Uhr nicht mehr ständig mit einer Email Benachrichtigung aufgeschreckt werden möchte. Mail for Exchange konnte ich mangels Exchange Server nicht testen, soll aber sehr gut integriert sein.

OVI Store

Der Ovi Store kann leider überhaupt nicht mit dem App Store von Apple oder dem Android Market mithalten. Was hier geboten wird, ist maximal eine Schranktür und kein Tor zur Welt (“Ovi” steht im finnischen ja für “Tür”).

Der Store wirkt auf mich unaufgeräumt und bietet kaum Programme. In meinen Augen müsste Nokia eine riesen Armada an Entwicklern mobilisieren können. Nokia bzw. Symbian und J2ME waren ja schon vor dem iPhone beliebte und viel verwendete Plattformen für Software-Herstellter. Muss man hier wahrscheinlich noch Geduld haben und auf Portierungen für S60v5 warten oder ist der Store einfach so unstrukturiert, dass man die Anwendungen einfach nicht findet?

Unterboten wird der Store maximal noch durch das Nokia eigene “Download!”, was zu einer Klingelton und Wallpaper-Falle von Jamba verkommen ist. Keine Ahnung, was sich Nokia dabei gedacht hat. Wozu zwei “Stores” auf einem Handy und einer davon verbunden mit einem Anbieter, der nicht gerade den besten Ruf genießt?

Sonstiges

  • UKW-Sender: Damit kann man im Auto ohne lästiges Zubehör über das Autoradio Musik vom Handy hören.
  • Podcasting: Ruft automatisch Podcasts nach wählbaren Intervallen ab.
  • Facebook: Für Fans von Facebook ist eine sehr gute Facebook-Applikation installiert. Diese bringt auch ein Homescreen-Widget mit und man sieht ständig die Statusupdates, Nachrichten, usw.
  • YouTube: Mit dem mobilen YouTube Client kann man YouTube am Handy genießen.
  • QIK: Für Freunde des Live-Streamings ist QIK vorinstalliert und bietet mehrere Einstellmöglichkeiten
  • Quickoffice: Eine Version zum Betrachten von Office Dateien ist vorhanden. Für die Version zum Erstellen und Bearbeiten von Dokumenten muss eine Lizenz erworben werden.
  • PDF: Ein PDF-Reader ist ebenfalls vorinstalliert.
  • Google Maps: Google Maps Mobile ist auch für die 5. Version von Symbian vorhanden. Die Anwendung nutzt natürlich das eingebaute GPS für die Positionierung und hat auch Google Latitude integriert.
  • Twitter: Ich habe Tweet60 im Einsatz gehabt. Die Anwendung hat mich nicht wirklich überzeugt. Für den kurzen Testzeitraum wollte ich mir aber auch Tweetix nicht kaufen und die gemeinsame Aktion von OVI.com, Mojos Studios und S60.at kam zu spät für den Test. Die Applikation sieht aber sehr vielversprechend aus.

Fazit

Wie Eingangs erwähnt, punktet das Nokia N97 vor allem bei der Hardware. Das Gerät wirkt sehr angenehm auf mich, liegt gut in der Hand und fühlt sich sehr wertig an.

Bei Symbian merkt man, dass es ursprünglich nicht für die Touch-Bedienung geschaffen wurde. Hier darf man wohl auf den ersten Wurf der Symbian Foundation gespannt sein. Der Store ist in meinen Augen noch nicht ausgereift. Nokia muss zusehen, einen echten Konkurrenten für Apple und Android zu schaffen. Ein vernünftiger App Store ist in meinen Augen bei Smartphones mittlerweile ein echtes Kaufkriterium. Davon ist Nokia mit dem Ovi Store noch ein Stückchen entfernt, hat aber zumindest schon eine Basis geschaffen.

Als Telefon überzeugt das Gerät aber dennoch. Die Sprach- und Verbindungsqualität ist um einiges besser als beim iPhone oder beim G1. Die Bedienung mit einer Hand im geschlossenen Zustand hat mir auch sehr gut gefallen. Die Kamera ist ein echter Ersatz für eine Einsteigerkamera und schießt auch bei nicht optimalem Licht noch anständige Bilder. Die Akkulaufzeit ist jetzt nicht überragend, aber im Vergleich zu anderen Feature-Phones sehr gut. 1-2 Tage sollte man auch bei aktiviertem Push-Mail und den always-on Homescreen schon über die Runden kommen.

Für mich ist die teilweise schlechte Presse dieses Gerätes vor allem auf die Zielgruppe zurückzuführen. Das Nokia N97 ist in meinen Augen ein Handy für Leute, die ein Handy zum Telefonieren und zum Arbeiten brauchen. Dafür ist es perfekt geeignet. Für Blogger, Leute die viel mit ihrem Gerät im Web unterwegs sind und Leute die ein Statussymbol haben wollen, ist es dagegen nur bedingt geeignet. Dieses Leute sollten lieber zum allseits bekannten Gerät greifen und damit glücklich werden.

Kommentare

3 Kommentare für “Nokia N97 – Hardware hui, Software… naja”

  1. Coole Bewertung.
    Beim OVI Store denke ich, wird es so wie bei den Chroniken von Narnia. Aus der “Schranktür” könnte sich wirklich bald eine Tür in eine neue Welt entwickeln. Bin gespannt!

    Veröffentlicht von Norbert | 13. Juli 2009, 12:23
  2. Es tut mir leid dass ich mich dem positiven Urteil dieses Tests nicht anschließen kann. Ich bin seit einigen Monaten Leid geprüfter Nutzer des N97. An diese Telefon mag die Hardware und die versprochenen Möglichkeiten phantastisch sein aber durch die Software ist dieses Gerät nicht zu nutzen. Mehrere Abstürze täglich, Akkuentladungen innerhalb von 2h von voll auf komplett leer. Danach läßt es sich noch nichtmal mit Netzteil wieder einschalten (Bereits zweite Reparatur). Der Musikplayer findet kein einziges Lied weder auf dem Massenspeicher noch auf der SD Card. Musikbibliothek aktualisieren habe ich mehrfach über Nacht ! laufen lassen und am Morgen dann frustriert abgebrochen. Die Bedienung ist inkonsistent und der Touch Screen scheint selbst zu entscheiden wann er reagiert und wann nicht. Das Speicherdesign ist total daneben: 32GB Massenspeicher aber der Telefonspeicher der für einige Applikationen dringend benötigt wird ist viel zu klein. Ergo: Emails lassen sich nicht lesen. Klingeltöne als Wecker einzustellen heht auch nicht weil dauernd Speicher voll gemeldet wird (obwohl noch Gigabyteweise Speicher zur Verfügung steht). Auch der eingebaute Wecker scheint selbst zu entscheiden wann er weckz und wann nicht. (Bitte nicht darauf verlassen bei wichtigen Terminen).

    Ich habe jetzt viele Tage und Nächte hinter mir in denen ich mich versucht habe mit den N97 anzufreunden – ich gebe entnervt auf.

    Ich kann nur jedem raten: Finger davon lassen! Glaubt den “offiziellen” Tests nicht, lest die Meinungen der Nutzer und googelt im Internet und ihr werdet mir recht geben.

    Schade eigentlich.

    Veröffentlicht von CeBe | 7. März 2010, 18:55
  3. Hallo CeBe,

    Wie du im Bericht lesen kannst, bin ich mit der Software auch nicht wirklich zufrieden und deine angesprochene Speicherverwaltung ist wirklich ein Problem. Wollte letztens auch eine Mail mit ein paar Bildern versenden und der Speicher war voll und nervte mit ständigen Fehlermeldungen.

    Die restlichen Punkte kann ich aber wirklich nicht nachvollziehen. Der Akku ist keine Wucht, was bei vergleichbaren Geräten aber auch nicht anders ist, mit dem Mediaplayer hatte ich bislang auch noch keine Probleme. Gar nicht nachvollziehen kann ich deine Probleme mit dem Wecker.

    Das du solche Probleme mit dem Gerät hast, tut mir wirklich Leid für dich. Vielleicht hilft aber ein Firmware-Update.

    LG,
    Peter

    Veröffentlicht von Peter Hoeflehner | 8. März 2010, 20:12

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