Der Beginn der Walled Gardens

Dienstag, 07. Oktober 2008 @ 14:31 von Peter Hoeflehner | devices, future, hintergrund, market, operator, software

Viele in der mobilen Welt sehen das Ende der Walled Gardens (engl.) herannahen. T-Mobile, Vodafone, Orange & Co haben seit dem Beginn mobiler Datendienste die Kunden in ihrer Welt gehalten und versucht sie so zu binden. Netzinterne SMS und MMS sind nach wie vor teilweise günstiger, das WAP bzw. Web-Portal ist ebenfalls frei oder günstiger und vor allem vorkonfiguriert. Datenpakete teilweise auf HTTP-Trafik limitiert, natürlich nur im Kleingedruckten. Die meisten Betreiber sehen jedoch ihre Gewinne mit reiner Telefonie dahinschwinden, bei steigenden Umsätzen und sehen daher ihre Zukunft in den mobilen Datendiensten. Dies führt dazu das sie ihre Walled Gardens schön langsam öffnen und sich der Markt mobiler Anwendungen zu entwickeln beginnt. Von einem Massenmarkt sind wir, auch wenn wir mobilen Jünger das oft anders sehen, noch meilenweit entfernt.

Was ist der Preis?

Auch wenn die Fesseln der Mobilfunker noch nicht gesprengt sind, werden schon neue geschmiedet. Nur sind es dieses mal nicht die Betreiber sondern die Gerätehersteller. Ausgehend von Apple entwickeln sich derzeit neue Walled Gardens. RIM (Blackberry) arbeitet laut Crunchgear (engl.) an einem BlackBerry Application Center. Googles Android wird einen Android Market (engl.) mitbringen. Am weitesten geht allerdings Nokia und versucht Apple mit den eigenen Waffen zu schlagen. Mit “Comes with Music” will Nokia seine Kunden nicht über Software sondern mit Musik an sich binden. Das “Musik-Abo” kommt mit dem Gerät und wird mit einem neuen Gerät verlängert. Mit “Laden!” gibt es von Nokia für S60-Geräte schon seit längerem einen de facto App Store, hat nur nicht funktioniert.

Kundenbindung über Content

Apple fesselt bindet seine iPod/iPhone-User sowohl über die Kombination iTunes und dort sortierte Inhalte, als auch über Anwendungen aus dem App Store. Andere Hersteller wollen seine Kunden über die Anwendungen binden. Eine im BlackBerry Application Center wird sich schlecht auf ein Gerät eines anderen Herstellers laden lassen. Nokia-Anwendungen werden nicht auf dem G1 (engl.) laufen. Android wird kein iPhone unterstützen…

Dadurch ergibt sich ein neues Bild in der mobilen Landschaft. Bis jetzt war es leicht sein Mobiltelefon, aber schwierig seinen Betreiber zu wechseln.

Spätestens seit der Rufnummernportierung ist das kein Problem mehr. Einzig die Mindestvertragsdauer von üblicherweise 24 Monaten war bislang ein Hindernis. Doch sogar diese beginnt schon zu bröckeln. Der österreichische Mobilfunkanbieter tele.ring (2006 von T-Mobile übernommen) wirbt gerade mit Angeboten ohne Bindung (wenn man kein subventioniertes Gerät nimmt).

Dies deutet darauf hin das in Zukunft das Gerät die Bindung ist, nicht mehr der Betreiber. Ob das nun besser oder schlechter ist, sei dahingestellt.

Wenngleich es sehr gut ist das der Download von Software auf sein Handy vereinfacht und komfortabler wird, wäre es doch wünschenswert wenn Softwareanbieter mit innovativen Ideen darauf reagieren und die Portierung von einer Plattform zur nächsten ermöglichen.

Die Lösung?

Einen Ausweg aus dieser Plattform-Problematik könnte sich in Webanwendungen finden. Wenn zumindest die Browser auf Standards setzen und diese vielleicht noch auf Gerätefunktionen (GPS, Telefonbuch, …) zugreifen könnten, ließe sich die gesamte Problematik recht einfach umgehen und den Kunden eine echte Freiheit bringen.

Kunden wollen Lösungen, sie interessieren sich nicht für Geräte, Plattformen oder gar Hersteller bzw. Betreiber aber sie wollen es einfach!

4 Kommentare zu “Der Beginn der Walled Gardens”

  1. Heike Says:

    Ein sehr schöner Überblick. Ich denke, man sollte unterscheiden, zwischen Applikationen, die für die einzelnen Betriebssysteme erstellt werden und so i.d.R. auch nicht von einem BS auf das andere einfach übertragbar sind, und Dateien, wie z.B. Musik, die auf allen BS gleichermaßen laufen sollten. Wenn ich Musik zur Nutzung “erwerbe” oder auch “lizensiert bekomme”, dann erwarte ich eine Plattformunabhängigkeit. Kaufe ich mir ein Applikation für mein Symbian-Handy, dann kann ich kaum erwarten, diese ebenfalls auf einem iPhone nutzen zu können.
    Du schreibst, dass Kunden Lösungen wollen und sich nicht für Geräte oder Hersteller interessieren. HaHa…dannn schreib mal einen Bashing-Beitrag über das iPhone und Du wirst sehen, dass sich die Menschen sehr wohl für Ihre bevorzugte Marke interessieren. ;)
    Und ich glaube, es heißt “Walled Garden”. Kommt vom “hortus conclusus”, ein Konstrukt, dass schon im Mittelalter in der Kunst für abgeschlossene Welten stand. Wikipedia: http://en.wikipedia.org/wiki/Hortus_conclusus.
    Genug klug geschissen. Sehr nettes Blog, lese ich gern. :)

  2. Peter Hoeflehner Says:

    Hallo Heike,

    danke für das Feedback und vor allem die Korrektur!

    Das mit der bevorzugten Marke scheint ein Apple Phänomen zu sein, seh ich aber als Minderheit! Außer den Apple Jüngern interessiert sich doch echt kaum jemand für die Marke seines Handys.

    Ich tue mir immer schwer wenn ich jemanden schlüssig erklären will warum eine Anwendung auf einem Handy bzw. OS läuft und am anderen nicht.
    Ein Techniker versteht es natürlich sofort, verschieden Schnittstellen, andere Technologie, usw.
    Wir sollten versuchen den echten User zu verstehen und nicht auf der Ebene der Technik argumentieren. Wenn man den Nutzern die Lösung ohne den bitteren Beigeschmack der Technik näherbringt, kann er den Nutzen auch leichter verstehen.

    Genau das macht Apple z.B. sehr gut!

  3. Heike Says:

    Na, ich bin immer noch nicht ganz bei Dir. Nicht nur bei den Apple-Fans ist das so. Schau Dir mal die ganzen Foren, Blogs und Fanseiten zu Symbian oder Nokia-Geräten an. Da ist schon eine extreme Markenbindung vorhanden. Auch Blackberry-Besitzer sind oftmals markentreu. Von den anderen Herstellern habe ich in dieser Richtung nicht so viel gehört. Da das Handy auch Statussymbol ist, spielt der Hersteller schon eine besondere Rolle.

    In Bezug auf die OS gebe ich Dir in sofern recht, dass viele Handynutzer zwar mit OS (Windows, Linux, Mac) auf ihrem PC umgehen können, aber sich noch nie damit beschäftigt haben, dass ihr Mobiltelefon auch nur ein kleiner Computer ist und somit über ein OS verfügen muss. Die Einsicht, wenn man es nur einmal ausdrücklich sagt, ist zumindest bei Menschen, die einen PC besitzen oder regelmäßig mit einem arbeiten, vorhanden. Das heißt natürlich nicht, dass sich nun alle Handynutzer gefälligst mit OS beschäftigen sollen, auch wenn das nicht immer gleich ein “bitterer Beigeschmack” ist.

    Wie würdest Du denn jemandem erklären, dass er die Applikation zwar auf dem einen, aber nicht auf dem anderen Handy nutzen kann, ohne auf die Technik einzugehen? Denn eine Erklärung muss ja her, da wir die Heterogenität im Markt noch sehr lange werden ertragen müssen. Denn durch Apple, Android und Nokia/Symbian wird es ja eher noch schlimmer denn besser.

  4. Peter Hoeflehner Says:

    Ich erkläre es ja auch genau so, immerhin bin ich selbst Techniker. Allerdings verstehe ich beim Erklären warum mobile Applikationen kaum genutzt werden bzw. der echte Durchbruch noch nicht geschafft ist.

    Mit dem Internet haben die Leute gelernt umzugehen, es ist auch plattformunabhängig. Dies ist der große Vorteil von Webanwendungen.

    Am PC sehen wir den Effekt das immer mehr Anwendungen ins Web wandern (Office Anwendungen, Bildbearbeitung, …). Das iPhone führt gerade dazu, dass für jeden Mini-Anwendung wieder eine eigene Applikation geschrieben wird. Was war an den Webapps so schlecht? Eine Internetverbindung brauchen die meisten Anwendungen trotzdem.

    Nichtmal ich will mich mehr mit verschiedenen OS beschäftigen, mein Umfeld schon gar nicht. Am PC nimmt man es mehr oder weniger hin weil man es gewöhnt ist. Die gleiche Entwicklung sollte am Handy aber vermieden werden.

Kommentieren