Wenn man sich viel mit mobilen Applikationen und mobilen Service beschäftigt, sind Zahlen immer gern gesehen und meistens unbedingt notwendig, um den Nutzen klar zu machen. Leider sind diese nicht immer leicht zu finden.
Für Nokia sieht es im Moment nicht gut aus! Blogger wenden sich ab, Samsung verkauft in Westeuropa mehr Geräte und keine Rettung in Sicht!
Dieser Tweet hat einige Reaktionen nach sich gezogen, deshalb möchte ich die Beweggründe für diese Aussage etwas näher darlegen und die Ereignisse der letzten Zeit zusammenfassen:
Bei der Präsentation der Nokia Studie zur Nutzung von mobilen Internet und mobilen Applikationen konnte ich es mir nicht verkneifen, die Qualität einiger Applikationen zu kritisieren.
Wie regelmäßige Leser dieses Blogs wissen, bin ich kein uneingeschränkter Befürworter des derzeitigen App-Hypes. Das liegt aber auf keinem Fall daran, dass ich mobile Applikationen an sich schlecht finde. Sondern daran, dass meiner Meinung nach viele der verfügbaren Applikationen leider schlicht und einfach Schrott sind und/oder keinen Mehrwert gegenüber einer mobilen Webversion bieten.
Um nicht nur zu kritisieren, sondern auch konstruktiv zu sein, versuche ich hiermit einige Merkmale einer guten mobilen App zu identifizieren:
Wenn eine Anwendung auf Funktionen des Gerätes zugreift, die mit dem Browser nicht genutzt werden können, führt gar kein Weg an einer solchen nativen App vorbei. Dazu zählen:
Beispiele dafür sind:
Wenn eine Anwendung ein besonders hochwertiges User Interface (UI) bietet, muss ebenfalls Hardware-nahe entwickelt werden.
Beispiele dafür sind:
Werden größere Mengen an Daten für die spätere Offline-Nutzung oder um eine bessere Performance zu erzielen gespeichert, ist eine App auch zu bevorzugen.
Wenn eine Applikation im Hintergrund läuft oder beispielsweise die Push-Notification von Apple nutzt, um Updates (Social Networks, News, Email, …), Ereignisse (Termine, Location, …), Prozesse (Task Manager) oder Ähnliches zu überwachen, kann ebenfalls nicht auf eine native Applikation verzichtet werden.
Beispiele dafür sind:
Natürlich glaubt jede Marke und jeder Entwickler, seine Anwendung wird das nächste Facebook und wird ständig genutzt. Dazu kann ich nur eines sagen: “Dem ist nicht so!”
Für Anwendungen wie Facebook, Twitter & Co. erwarte ich mir auf jeder Plattform eine entsprechende App. Diese Dienste werden zumindest einmal täglich genutzt und sollten deshalb leicht aufrufbar sein und schnell laden.
Beispiele dafür sind:
Grundsätzlich wird die Qualität der mobilen Applikationen immer besser und die Konkurrenz in den großen Stores tut ihr übriges. Anhand des Android Market konnte man sehr gut die Steigerung der Qualität beobachten: Vor einem Jahr waren dort noch hauptsächlich “Proof of concept”-Applikationen zu finden. Mittlerweile haben die Anwendungen in diesem Markt bereits eine sehr gute Qualität.
Trotzdem sind in jedem Store noch Negativbeispiele zu finden. Ein paar Beispiele möchte ich hier nennen und kurz begründen:
Vorweg muss ich sagen, dass ich ein absoluter Fan dieses Shops bin. Ansonsten wäre ich auf diese App wahrscheinlich auch gar nicht aufmerksam geworden und hätte mir ein anderes Opfer gesucht.
Begründung: Bis auf die Merkliste könnte diese App recht einfach (und sicher kostengünstiger) 1:1 mit einer mobilen Webseite realisiert werden. Zusätzlich könnte man mit der mobilen Website auch zusätzlich noch Android Geräte und mit ein wenig mehr Anpassung jedes andere moderne Handy bedienen. Wenn man das Ganze in eine WebView packt, hat man sogar noch eine App im App Store, wenn man HTML5 einsetzt, kann sogar die Merkliste realisiert werden.
Die beiden Anwendungen waren der konkrete Auslöser für meine Kritik beim E-Day und diesen Beitrag. Die Motivation der Entwickler diese Anwendungen zu machen, möchte ich hier gar nicht kritisieren. Auslöser für meine Kritik war die Tatsache, dass weder ein vollständiger Feed zur Verfügung gestellt wird und man dadurch nur die Einleitung lesen kann. Für den vollständigen Artikel wird man auf die Webseite weitergeleitet. In meinen Augen ist das für den Benutzer frustrierend und macht die Applikation nutzlos.
Mit HTML5 werden die Argumente für native Apps noch weniger werden, da darin schon Funktionen wie Datenspeicherung, Video oder Geolocation integriert sind. In einer Studie von ABI Research wird davon ausgegangen, dass der App-Hype noch bis 2013 anhält und dann Web-Apps stärker genutzt werden.
Generell ist zu sagen, dass sich die Qualität der Apps auf den einzelnen Plattformen recht schnell selbst reguliert. Schlechte Applikationen werden einfach weniger herunter geladen bzw. gleich wieder deinstalliert und sterben einen stillen Tod. Umso wichtiger ist es für Entwickler und Unternehmen auch geworden, die eigene Anwendung auch wirklich “schön” zu machen und mit einem Mehrwert zu versehen.
Unter diesem Motto hat die Mobilkom Austria am 28. April zu einem Medienworkshop in die damalige Firmenzentrale am Donaukanal in Wien geladen.
Rudolf Felser von der computerwelt.at und ich bekamen an diesem Tag einen guten Einblick, welche Handys es in das Portfolio von A1 schaffen, welche Schritte dafür notwendig sind, welche Tests so ein Handy über sich ergehen lassen muss und warum es ganze zwölf Monate von der Planung bis zur Verfügbarkeit im Shop braucht.
Zuerst stellte sich für mich natürlich die Frage, ob es sich überhaupt noch lohnt, ein Handy zum Vertrag zu nehmen. Mein letztes Gerät, dass ich von meinem Mobilfunkbetreiber gekauft habe, war ein Nokia N70 und das war vor Ewigkeiten. Seitdem habe ich mir neue Handys über eBay oder Online-Stores gekauft – nicht immer hatte mein Netzbetreiber dieses Handy in seinem Portfolio.
Was ich aber sehr wohl sagen muss ist, dass ich mit diesen Geräten teilweise Probleme hatte Zusatzoptionen zu bestellen oder mir Konfigurationen mühsam selbst suchen musste. Genau deshalb kann es für den durchschnittlichen Nutzer sehr wohl sinnvoll sein, das Handy vom Mobilfunkbetreiber zu kaufen. Man hat dabei einfach die Garantie, dass die angeboten Dienste des Betreibers funktionieren und man nicht selbst Hand anlegen muss – ein Sorglos-Paket also.
Bei der Frage, welche Geräte ins Angebot aufgenommen werden, sind bei A1 drei Faktoren maßgeblich:
Die Entscheidungsfaktoren bei der Planung lassen sich am besten mit dieser Grafik zeigen:
Grundsätzlich wird das Portfolio von A1 viermal im Jahr aktualisiert, erfolgreiche Modelle bleiben natürlich um einiges länger im Angebot. Bei der Entscheidung, welche Geräte aufgenommen werden steht die Frage, ob das Gerät in Österreich auch verkauft werden kann, an oberster Stelle. Unbekannte Marken lassen sich in Österreich nur schwer verkaufen. Ein typisches Gegenbeispiel ist das iPhone, das nur von exklusiven Partnern (T-Mobile und Orange haben sich für das iPhone die Rechte gesichert) verkauft werden darf, weswegen es bei A1 auch nicht verfügbar ist. Bei A1 wird aber dennoch versucht, Geräte die eine kritische Masse in ihrem Netz erreichen, zu supporten – das gilt zum Beispiel auch wieder für das iPhone.
Folgende Grafik zeigt die Anzahl der getesteten Geräte pro Jahr und zeigt wie viele unterschiedliche Geräte ein Netzbetreiber unterstützen muss.
Durch die strategische Partnerschaft mit Vodafone ist die Mobilkom mit ihren Marken A1, bob und Red Bull Mobile in der Lage, einerseits aus dem Vodafone-Portfolio wählen zu können, aber auch eigene Geräte in Österreich anbieten zu können. Interessant war auch zu erfahren, dass sich die Produktmanager der verschiedenen Länder bereits 12 Monate im Voraus mit der Geräteauswahl beschäftigen und in Portfolio-Workshops darüber entscheiden, welche Geräte in Betracht gezogen werden. Das dort strenge Geheimhaltung herrscht, dürfte klar sein.
Die alte Praxis, das Handy bis zur Unkenntlichkeit mit eigenen Icons und Themes auszustatten, gehört übrigens auch der Vergangenheit an.
Zur Logistik ist eigentlich nicht viel zu sagen. Geräte werden bestellt und kommen hoffentlich rechtzeitig und in ausreichender Menge an. Dass das gut geplant und koordiniert gehört, ist klar und dass so mancher Vulkanausbruch zu Verzögerungen führt (passiert beim HTC Desire) ist verständlich und nachvollziehbar.
Die Geräte werden zudem bei jeder Lieferung noch einem Qualitätscheck unterzogen, weil die Hersteller teilweise falsche Firmware-Versionen oder Konfigurationen ausliefern. Interessant ist auch, dass neue innovative Geräte (z.B. die neuen Android Geräte) anfangs vor allem im Online-Shops gekauft werden – die Early Adopter kaufen also vorwiegend im Netz ein.
Besonders interessant war der Einblick in das Testing, wo wir sehen konnten, wie die Geräte zusätzlich zu den Vodafone-Tests auch hausintern nochmals auf Herz und Nieren geprüft werden. Angeblich sind die Tests der Mobilkom in der Branche sehr gefürchtet.
Um das wichtigste Funktion der Telefone testen zu können, steht ein eigener Testdummy zur Verfügung, der mit hochsensiblen Mikrofonen in einer schallisolierten Box sein Dasein fristet.
Um zu testen, ob das Handover zwischen den einzelnen Zellen (z.B. bei einer Autofahrt) funktioniert, haben die Tester der Mobilkom eine Box gebaut. In diese Zelle wird das Signal von zwei Handymasten (von den unterschiedlichen Herstellern) eingespielt und simuliert, dass man sich von einer Zelle weiter entfernt und näher an die andere herankommt. Das laufende Gespräch darf in dieser Zeit nicht abreißen.
Sehr beeindruckend war auch der eigens entwickelte Industrieroboter, der vordefinierte Testabläufe automatisiert durchführen kann. Dadurch lassen sich im Laufe des Produktlebenszyklus Updates der Firmware automatisiert überprüfen.
Vielen Dank an Werner Reiter für diese spannenden und informativen Einblicke. Es war sehr interessant zu sehen, wie dieser Beschaffungsprozess bei einem Mobilfunker funktioniert.
Das in Österreich der App Zug noch etwas Verspätung hat, ist nicht unbedingt eine sensationelle Neuigkeit. Die Marketing-Agentur Point of Origin hat die Situation im österreichischen Apple App Store genauer betrachtet und eine sehr interessante und aussagekräftige Grafik dazu erstellt.
Interessant zu wissen ist vielleicht, dass sowohl “Billig tanken” als auch die SK Rapid App ursprünglich unabhängig von Rapid und ÖAMTC entwickelt wurden und erst später von den Vereinen übernommen wurden.
Ich bin jedoch überzeugt, dass wir in den nächsten Monaten noch einige gute Apps von heimischen Unternehmen sehen werden. Im Moment brodelt es gerade an vielen Stellen und viele bekannte Unternehmen überlegen wie sie den Boom der App Stores für ihr Marketing nutzen können. Die Kunden wollen mehr heimische Marken sehen, wie die Studie von Nokia bereits sehr deutlich gezeigt hat.
Mehr zum Thema “App (for) Marketing” gibt es übrigens am Montag beim MobileMonday #6 im Naturhistorischen Museum in Wien.